Claudias praktischer Ratgeber Interview mit einem Buchhändler

Interview mit einem Buchhändler

Sind Bücher für Sie auch wichtig?
Ohne Bücher wäre das Leben trist

Da ich gerne Interviews lese, u. a. die Autoreninterviews bei der ABS-Lese-Ecke von Ann-Bettina Schmitz, bin ich als Bücherwurm und Leseratte auf die Idee gekommen, mal einen Buchhändler zu interviewen.

 

Rolf Strauß von der Seebuchhandlung in Konstanz hat sich bereit erklärt, meine Fragen zu beantworten. Hier die Fragen und Antworten:

 

Haben Sie als Kind viel gelesen und wie schaut es heute aus?

Ja, ich habe schon als Kind viel gelesen. Am liebsten 5 Freunde von Enid Blyton, Burg Schreckenstein von Oliver Hassencamp und Tierbücher. Zu meinem 10. Geburtstag erhielt ich ein Wilhelm Busch Album, das ich geliebt habe. Heute lese ich gerne Sachbücher, über Wirtschaftsthemen, Geschichtsbücher, historische Bücher, Krimis.


Welches Genre lesen Sie am liebsten?

Ich lese am liebsten deutsche Literatur, Klassik bis Moderne. 

 

Lesen Sie lieber Bücher oder E-Books?

Ganz klar Bücher.

 

Glauben Sie, dass Bücher aussterben werden und es bald nur noch E-Books gibt?

Nein, der Marktanteil von E-Books liegt in Amerika bei ca. 20 %, in Deutschland nur bei 4 - 5 %. Es gibt zwar eine Entwicklung und Tendenz, dass Inhalt mehr über das Internet verbreitet wird, aber Bücher wird es immer geben.

 

Wie schätzen Sie das Potential von Hörbüchern ein?

Sehr hoch, Hörbücher haben eindeutig ein größeres Potential als E-Books. 

 

Was war Ihr Berufswunsch als Kind und weshalb sind Sie Buchhändler geworden?

Als Kind wollte ich Lehrer oder Opernsänger werden. Da ich schon früh gerne gelesen habe, wurde ich von meinen Eltern immer mit Büchern versorgt. Ich lernte dann aber Großhandelskaufmann für medizinisch-technische Geräte, was ich allerdings langweilig fand. Durch einen Freund, der einen Mitarbeiter brauchte, habe ich 1988 eine Lehre als Buchhändler gemacht und in Buchhandlungen, Fachliteraturdiensten und Verlagen gearbeitet. 2001 habe ich mich mit einer eigenen Buchhandlung selbständig gemacht und den Schritt nie bereut.

 

Wie kann man Kinder zum Lesen bringen?

Wenn Eltern gerne lesen und vorleben, dass Bücher erfüllen, bereichern und Freude bereiten, ist das die beste Voraussetzung, Kinder zum Lesen zu bringen, aber keine Garantie, dass die Kinder wirklich viel und gerne lesen.

 

Sind Amazon und andere Online-Buchhändler eine große Konkurrenz für Buchgeschäfte?

Ja, Amazon und andere Internethändler sind ganz klar eine große Konkurrenz für Buchgeschäfte, da sich das Einkaufsverhalten geändert hat.

 

Was muss ein lokales Buchgeschäft bieten, um überleben zu können?

Der wichtigste Punkt ist eine eigene Website. Wir bieten den Service, dass Kunden online bestellen und vor Ort abholen können. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch ein Versand und das Runterladen von E-Books im Internet angeboten werden. Ein Buchhändler sollte großen Wert auf Kommunikation mit anderen Menschen und Kunden legen. Es ist von Vorteil, sich als Kulturveranstalter in Theater, Kabarett, Schulen und Kindergärten zu engagieren, sich vor Ort einzubringen. Die Kernkompetenz darf dabei nicht vergessen werden, ein gutes Sortiment und eine große Auswahl an Büchern ist wichtig.

 

Finden Sie, dass Buchmessen sinnvoll sind?

Buchmessen dienen heute weniger zum Einkaufen von Büchern. Sie bieten ein großes Fachpublikum, eine große Außenwirkung und sind ein Ort für Anregungen und interessante Gespräche mit Verlagsmenschen.

 

Was würden Sie Hobbyautoren empfehlen, die ihre Bücher veröffentlichen wollen?

Ich  würde Hobbyautoren empfehlen, die Erwartungen zu senken. Die Chance, einen bekannten Verlag zu finden, ist gering. Man muss sich überlegen, wie viel man bereit ist zu investieren, um selbst zu veröffentlichen.

Eine Mitgliedschaft im Verband deutscher Schriftsteller (VS) kann ich auch empfehlen.

 

Was halten Sie von Verlagen wie BoD (Books on Demand), die Bücher erst bei Bestellung drucken?

Eine gute und realistische Chance, sein eigenes Buch zu veröffentlichen. Es gibt leider einige Verlage, die Werbung machen mit "Verlag sucht Autoren" und sehr viel Geld für die Veröffentlichung verlangen, hohe Auflagen von 1000 Stück drucken, die sich nicht verkaufen, während die großen Verlage meist Zugangssperren haben und nur Bücher annehmen, die sehr gut sind oder einen wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Eine weitere Alternative wäre, vor Ort eine Druckerei zu suchen, die eine kleine Auflage druckt.

Anmerkung von meiner Seite

Vor ein paar Jahren gab es bei BoD eine Vertragslaufzeit von 5 Jahren und monatliche Datenhaltungskosten. Die Vertragslaufzeit wurde dann erst auf 2 Jahre, später auf 1 Jahr gekürzt und die Datenhaltungskosten gestrichen. Also durchaus von der Kostenseite eine empfehlenswerte Variante, wenn man keine hohe Erwartungen betreffend Buchverkäufen hat. Die neuen günstigeren Konditionen gelten allerdings nur für neue Autoren bzw. neue Bücher.

 

Wie ist Ihre Meinung zu Indie-Autoren und Selbstverlegern?

Auch eine Alternative, sein Buch zu veröffentlichen. Dabei muss man nur bedenken, dass das nicht die Qualität des Buches steigert. Große Verlage haben ein Lektorat, helfen dem Autor das rüberzubringen an den Leser, was er sagen will, und haben ein besseres Image.

 

Mögen Sie Buchtrailer und glauben Sie, dass sie etwas nützen?

Ich erhalte von Verlagen regelmäßig Buchtrailer und schaue immer weg, weil sie mich nerven.

 

Welche Aktionen planen Sie in Ihrem Buchladen?

Ich plane

Was sind Ihre Gedanken zum Welttag des Buches am 23. April?

Wir haben eine Inflation an Gedenktagen. Den Welttag des Buches gibt es in vielen Ländern, seit 1997 auch in Deutschland.  An diesem Tag gibt es viele Aktionen und Events rund um Bücher wie z. B. "Ich schenk dir eine Geschichte" von der Stiftung Lesen. Die bundesweite Vermarktung des Tages ist nicht immer gut.

 

Vielen Dank Herr Strauß für Ihre Antworten. Ich wünsche mir für Sie und auch für mich, dass Bücher nie aussterben werden.

 

Und wer möchte als Nächster von mir interviewt werden?

Hier noch ein paar Bilder von Rolf Strauß mit seinem Lieblingsbuch Konzert ohne Dichter von Klaus Modick und aus der Seebuchhandlung in Konstanz.

Kommentare: 5 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Ann-Bettina (Mittwoch, 25 Februar 2015 10:36)

    Hallo Claudia,
    vielen Dank für die Erwähnung meiner Seite. Das ist ein sehr interessantes Interview. Mich hätte noch interessiert, ob Herr Strauß in seiner Buchhandlung Bücher von Indie-Autoren anbietet.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

  • #2

    Claudia (Mittwoch, 25 Februar 2015 12:10)

    Hallo Ann-Bettina,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Antwort auf Deine Frage kommt noch.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Claudia (Donnerstag, 26 Februar 2015 10:20)

    Hallo Ann-Bettina,
    habe Deine Frage geklärt. Bücher von Indie-Autoren werden im Buchladen nicht angeboten. Wollte noch klären, ob man Bücher von Indie-Autoren bestellen könnte, und habe ein paar Namen rausgesucht. Die Suche war negativ.
    Im Zusammenhang mit Büchern von BoD habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in so einem Fall sehr schnell heißt, dass das Buch nicht bestellt werden kann.
    Ein engagierter Buchhändler macht sich aber die Mühe, zu prüfen, über welchen Vertriebskanal er das gewünschte Buch bestellen kann.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Ann-Bettina (Donnerstag, 26 Februar 2015 10:43)

    Hallo Claudia,
    vielen Dank für deine Mühe. So etwas hatte ich mir schon gedacht. Dass er die Bücher von Indie-Autoren nicht vorrätig hat, kann ich aus Platzgründen ja noch verstehen. Aber die Bestellung sollte schon möglich sein. Da müssen sich Buchhändler nicht wundern, wenn die Kunden zur Online-Bestellung abwandern.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

  • #5

    Claudia (Donnerstag, 26 Februar 2015 11:08)

    Hallo Ann-Bettina,
    ich finde es auch wichtig, dass nicht nur der Buchhändler selbst, sondern auch seine Angestellten wissen, was es heute alles für Möglichkeiten gibt, Bücher zu veröffentlichen und wie sie dann bestellt werden können. Aus meiner Erfahrung im Verkauf kann ich nur sagen, dass es für mich immer zum guten Kundenservice gehört hat, dem Kunden in irgendeiner Weise zu helfen und ihn nicht einfach wegzuschicken.
    Viele Grüße
    Claudia