Claudias praktischer Ratgeber zu Ritualen

Der Sinn von Ritualen

Haben Sie auch Rituale?
Welche Rituale sind sinnvoll?

Tanja "Tajfora" Hofmann hat dazu aufgerufen, über unsere Rituale aus der Kindheit oder im Alltag zu schreiben.

Laut Wikipedia ist ein Ritual (von lateinisch ritualis‚ den Ritus betreffend, rituell) eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierliche, festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Häufig gibt es dabei bestimmte Wortformeln und festgelegte Gesten. Rituale können auch Gewohnheiten sein, die jeder von uns hat und oft nur schwer abzulegen sind.

 

Gleich nach der Geburt wird jedes Baby mit Ritualen konfrontiert. Es soll zu festen Zeiten schlafen und trinken. Das bekannteste Ritual ist das Schlafritual abends. Den Babys wird vorgesungen, sie werden gebadet, man fährt mit ihnen Auto oder geht spazieren, damit sie friedlich einschlafen. Kleinkindern liest man eine Gutenachtgeschichte vor. Der Tagesablauf von Kindern und Erwachsenen läuft meist nach bestimmten Ritualen bzw. Gewohnheiten ab:

  • Aufstehen, anziehen, frühstücken (mit dem üblichen Kampf bei Kindern)
  • Ab in Spielegruppe, Kindergarten, Schule oder ins Büro
  • Mittagessen
  • Ganztagsarbeit oder Nachmittag mit Kindern
  • Abendessen
  • Schlafen gehen

Für Kinder sind Rituale, feste Gewohnheiten und Regeln wichtig, da sie Sicherheit geben.

Was muss passieren, damit sich Rituale ändern? Sobald jemand krank ist, Ferien sind oder sonstige unerwartete Ereignisse eintreten, muss der Tagesablauf angepasst und geändert werden.

 

Rituale und feste Gewohnheiten entstehen durch die Eltern und andere Vorbilder wie z. B. sportliche Aktivitäten, ein Musikinstrument lernen, Hobbys, denen man täglich nachgeht, Essgewohnheiten. Es gibt z. B. Leute, die jedes Essen nachsalzen, ohne es probiert zu haben.

 

Es gibt Morgenrituale wie z. B. Kaffee trinken, Zeitung lesen oder eine Runde joggen. Mit festen Ritualen kann bis zu einem gewissen Grad Angst und Stress vermieden werden. Wenn die Tage immer nach demselben Muster ablaufen, ist das für manche Menschen angenehmer als jeden Tag neu zu überlegen, was wann getan werden könnte/sollte.


Wir haben verschiedene Hochzeitsrituale, Bräuche und Sitten, die sich nach Land unterscheiden, wie z. B. Junggesellenabschied, Polterabend, Brautübergabe durch den Brautvater, Streiche.

 

Es gibt aber auch krank- bzw. zwanghafte Rituale wie z. B. den Wasch-, Putz- oder Kontrollzwang, die den betroffenen Menschen bei bzw. nach der Ausübung ein Gefühl von Sicherheit geben.

 

Ein schönes Ritual in meiner Kindheit war, dass unsere Mutter uns am Wochenende ein Schälchen mit Knabbersachen und Süßigkeiten auf den Nachttisch gestellt hat in der Hoffnung, dass wir beschäftigt sind und die Eltern länger schlafen können. Wahrscheinlich hat sich daraus meine Vorliebe für Schokolade entwickelt. Meine tägliche Ration Schokolade ist seitdem ein festes Ritual.

Ein weiteres Ritual meiner Kindheit war, dass ich immer zum Bauern geschickt wurde, um frische Eier zu holen. Auf dem Rückweg gab es immer jemanden, der zu mir sagte, ich solle mal in die Hände klatschen. Oft habe ich gedacht, heute schaffe ich es ohne diesen Spruch nach Hause, aber es war ein festes Ritual, dass jemand meinen Weg kreuzte mit diesem Spruch. Natürlich habe ich nie geklatscht, um zu Hause keinen Ärger zu bekommen.

Bücher waren von Kindheit an ein fester Bestandteil meines Lebens. Bei der Hausarbeit habe ich Rituale, wann was erledigt wird, aber ich bin so flexibel, das zu ändern, wenn es anders besser passt. Ein weiteres Ritual bzw. eine Gewohnheit von mir ist, immer mit dem Fahrrad zu fahren, es sei denn es ist glatt. Sport, lesen und bloggen sind feste Rituale in meinem Tagesablauf.

 

Fazit

Rituale sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, weil sie Sicherheit geben. Wichtig dabei ist, dass man nicht rigide auf die Einhaltung der Rituale besteht, sondern flexibel bleibt und bereit ist, auch ein langjähriges Ritual zu ändern, wenn die Umstände es erfordern, und immer offen für neue Dinge bleibt.

 

Welche Rituale haben Sie?


Ergänzung am 19.07.15

Nicole Stroschein/Nic hat zu einer Blogparade "Routine oder nicht Routine?" eingeladen. Welche Routinen, Rituale bzw. festen Gewohnheiten ich habe, sind oben erwähnt. Daran hat sich seither nichts geändert. Es gibt viele Dinge, die ich beruflich und privat routiniert mache, weil ich aus Erfahrung weiß, so passt es für mich. Rituale, die einem gut tun, sollte man auch beibehalten. Aber es ist auch wichtig, Routinen aufzugeben, wenn man merkt, es tut nicht mehr gut. Ich probiere auch gerne neue Dinge aus, bin flexibel und nehme mir die Freiheit, vorhandene Routinen zu ändern oder aufzugeben, damit es wieder stimmig ist für mich.

Kommentare: 16 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hans (Montag, 09 März 2015 10:56)


    Hallo Claudia,
    habe ich noch Rituale? Ich muss auch morgens zunächst Kaffee haben, bevor irgendetwas geht.

    In der Kindheit war Samstag "Badetag". Und danach durften wir auch länger aufbleiben und Fernsehn schauen. Da kamen oft so Sendungen wie: Wünsch Dir was, EWG oder Am laufenden Band. Und es gab immer Kartoffelchips dazu. Das war schon was besonderes, was es sonst in der Woche nicht gab.
    HG Hans

  • #2

    Claudia (Montag, 09 März 2015 11:27)

    Hallo Hans,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, den Badetag und Sendungen wie Am laufenden Band habe ich bei den Ritualen aus meiner Kindheit ganz vergessen.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Jörg K. Unkrig (Montag, 09 März 2015 14:50)

    Rituale sind sehr wichtig, weil sie dem Leben Struktur und Sicherheit geben. Dies fehlt manchmal gerade jungen Menschen, die Rituale wie gemeinsames Abendessen nicht kennen.
    Dogmas finde ich schwierig, da sie uns einengen und behindern.

    Liebe Claudia, wenn sie nach meinen Ritualen fragen, dann gehört dazu morgens eine halbe Stunde nur für mich zu haben (deshalb stehe ich früh auf), bei wichtigen Gesprächen entweder meinen Lieblingsanzug zutragen oder wenigstens mein Lieblingshemd (deshalb habe ich inzwischen 10 Stück davon (hellblau)) oder nach der Arbeit erst mal mit meiner Frau eine halbe Stunde den Tag Revue passieren zu lassen. Aber - und das ist mir wichtig - wenn eins davon mal nicht ist, gerät mein Leben nicht aus der Bahn.

  • #4

    Claudia (Montag, 09 März 2015 14:57)

    Hallo Jörg,
    vielen Dank für den Kommentar. Stimmt, in Familien sind gemeinsame Essen ein sehr wichtiges Ritual. Danke auch für die Info über eigene Rituale. Das ist immer interessant.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Tafjora, Familie in Frankreich (Montag, 09 März 2015 17:15)

    Liebe Claudia,
    vielen Dank für diesen besonders schönen Beitrag zu meiner Blogparade! Ich finde Rituale aus der Kindheit tun einfach gut, sich heute daran zu erinnern finde ich einfach sehr beruhigend. Viele Dinge und Rituale sind mir erst wieder durch diese Blogparade eingefallen, weil ich dachte: "Hey, stimmt, das war damals auch so bei uns".
    Vielen lieben Dank für's Teilen Deiner ganz persönlichen Rituale. Du kannst vielleicht noch Deinen Link in mein InLinkz eintragen, dazu einfach auf den blauen Button drücken.
    Merci und schöne Grüße
    Tanja

  • #6

    Claudia (Montag, 09 März 2015 17:41)

    Liebe Tanja,
    vielen Dank für Deinen schönen Kommentar und die Inspiration zu diesem Artikel. Ich finde auch, dass Rituale aus der Kindheit schöne Erinnerungen sein können. Den Link habe ich noch ergänzt, danke für den Hinweis.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #7

    AV100.de (Dienstag, 10 März 2015 19:31)

    Hallo Claudia,
    ein schönes Thema das mich erst mal zum Überlegten brachte.
    Habe ich Rituale im täglichen Leben?

    Immer mal wünscht man sich welche zu haben aber dann wenn man mal eine Zeit lang ein Ritual gepflegt hat wird es dann doch auch wieder von anderen Dingen abgelöst.
    So ist es zumindest bei mir.

    Aus meiner Kindheit ist mir noch das Ritual des Samstags Baden gehen in Erinnerung geblieben.
    Gibt es noch bei einigen den Badetag?


    Viele Grüße Lothar


  • #8

    Claudia (Mittwoch, 11 März 2015 06:59)

    Hallo Lothar,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich glaube, den festen Badetag gab es früher bei vielen Familien. Bei den Kindern heute ist das wohl nicht mehr so. Ich denke, dass jeder irgendein Ritual hat, sich aber dessen nicht immer bewusst ist.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #9

    Karin (Donnerstag, 12 März 2015 09:46)

    Rituale sind wirklich wichtig und schön. Ich glaube gerade Kindern geben Rituale ein Stück Sicherheit.
    Ich selber erinnere mich gern an Rituale meiner Kindheit. Sei es bei Familienfesten oder beim Mittagessen.
    Sind die Kinder aus dem Haus - wird es mit den Ritualen eher weniger. Aber die Tasse Kaffee gehört natürlich auch dazu.
    lg

  • #10

    Claudia (Donnerstag, 12 März 2015 10:05)

    Hallo Karin,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist interessant, wie jeder beim Durchlesen des Artikels an seine eigenen Rituale aus der Kindheit denkt. Ich finde auch, dass Rituale wichtig sind.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #11

    Rainer Safferthal (Samstag, 14 März 2015 19:42)

    Leide ich nun unter Waschzwang, wenn ich mir jedes Mal, wenn ich von Draußen rein komme die Hände wasche? Das macht man doch so, oder?

    Ich kann mich jetzt auf die Schnelle an keine Kindheits-Rituale erinnern.

    An Rituale habe ich wohl nur feste Tage für den Versand und Lebensmitteleinkauf. Obwohl ... ich esse auch zur korrekten Zeit zu Mittag und Abend. Manche Leute, die so wie ich in den Tag hinein leben können, könnten da wohl auch einen Schlendrian haben.

  • #12

    Claudia (Sonntag, 15 März 2015 09:57)

    Hallo Rainer,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Nein, das würde ich nicht als Waschzwang bezeichnen, das gehört sich so genau wie nach dem WC-Gang. Ich denke, die meisten Menschen haben relativ feste Essenszeiten, der sich meist aus dem Tagesablauf ergibt. Am Wochenende oder in den Ferien ist das dann vielleicht anders.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #13

    Nicole (Sonntag, 19 Juli 2015)

    Liebe Claudia,
    danke, dass du mich auf diesen Beitrag hingewiesen hast und ihn auch zu meiner Blogparade einreichst. Er hat mich ins Grübeln gebracht. Rituale sind etwas schönes, zweifelsfrei. Aber tägliche Routinen sind ja nichts, was ich so richtig mag. Ich liebe Abwechslung und ich liebe es, jeden Tag anders zu gestalten, bzw. auch spontan zu handeln. Das spricht aber natürlich nicht dagegen, auch Rituale zu pflegen. Der Unterschied ergibt sich wohl aus der Regelmäßigkeit. Baden ist zum Beispiel etwas, das ich sehr liebe und ein wichtiges Ritual, zur Entspannung und zum Gedanken sortieren. Es gibt bei mir nur keinen festen Tag oder Zeitpunkt dafür. Das ist der wesentliche Unterschied. Ganz liebe Grüße Nicole

  • #14

    Claudia (Sonntag, 19 Juli 2015 19:04)

    Liebe Nicole,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Mir sind meine täglichen Routinen wichtig, aber ich liebe auch Abwechslung. Jeder Mensch ist da anders.
    Die Ergänzung mit Verlinkung zu Deiner Blogparade ist jetzt auch gemacht.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #15

    Nicole (Sonntag, 29 November 2015 16:32)

    Hallo Claudia,

    hier ist endlich die Auswertung meiner Blogparade zum Thema Routine. Vielen Dank für deinen Beitrag und die Geduld. Lieben Gruß

    Nicole

  • #16

    Claudia (Montag, 30 November 2015 06:35)

    Hallo Nicole,

    vielen Dank für die persönliche Benachrichtigung über Deine Auswertung http://nicmag.de/2015/11/29/blogparade-routine-die-auswertung/
    Die Teilnahme hat Spaß gemacht.

    Viele Grüße
    Claudia