Claudias praktischer Ratgeber zum Auswandern

Gründe auszuwandern

Wohin würde Sie gerne auswandern?
Was sind die Gründe für das Auswandern?

Wahrscheinlich wollte jeder von uns schon mal alles hinschmeißen und abhauen bzw. auswandern oder auch jemanden auf den Mond schießen. Die meisten machen regelmäßig Urlaub. Es gibt Schüleraustausche, 1 Jahr als Au-Pair in einem anderen Land oder berufliche Auslandsaufenthalte. Aber was bewegt jemanden, sein Heimatland zu verlassen und beruflich und privat in einem anderen Land zu leben?

 

Die beste Zeit, mal ein Jahr im Ausland zu verbringen, ist während der Schulzeit oder nach Ende der Schulzeit. Oft schafft man es später nicht mehr, weil man in einer Beziehung ist oder beruflich bereits etwas erreicht hat, was man nicht aufgeben möchte. Wenn bereits Kinder da sind, muss geklärt werden, ob es passende Schulen im neuen Land gibt. Singles können die Entscheidung auszuwandern einfacher treffen als Pärchen oder Familien.

 

Manchmal ergibt sich über die Arbeit eine Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, wenn z. B. Filialen oder Standorte in einem anderen Land vorhanden sind. Der Vorteil ist, dass man sich um die berufliche Seite, im neuen Land eine Arbeit zu finden, nicht kümmern muss. Oft gibt es dann auch Hilfestellung vor Ort betreffend Wohnungssuche, Umzug und notwendigem Papierkram.

 

Dani Schenker hat sich netterweise bereiterklärt, mir ein paar Fragen zum Thema zu beantworten.

 

Was hat Dich auf die Idee gebracht auszuwandern bzw. was war der Auslöser?

Im Sommer 2007 habe ich eine Reise durch Panama und Costa Rica gemacht. Ohne große Pläne, einfach mit zwei Freunden und dem großen Rucksack. Ein kleines Abenteuer also.

Bereits in der ersten Woche lernte ich drei nette Menschen kennen, die mir allesamt die gleiche Story erzählten. Gekürzt lautete diese etwa so: „Ich war auf Reisen, hab Spanisch gelernt, hab einen Job gefunden und jetzt lebe ich hier.“

Das hörte sich so einfach an und in Kombination mit der Unzufriedenheit im damaligen Job entstand für mich schnell ein Plan. Der so lautete: „Das mache ich auch!“

Nach der Reise kündigte ich sofort meinen Job und saß 6 Monate später im Flieger, zurück nach Costa Rica, der Rest ist Geschichte.

Welche Länder kannst Du zum Auswandern empfehlen?

Persönlich kenne ich natürlich als Auswanderer nur Costa Rica. Hier ist es so, dass es eigentlich ziemlich unkompliziert ist, sofern man gewisse Voraussetzungen erfüllen kann.

Am Einfachsten geht das Ganze mit Geld. Also sprich man kann vorweisen, dass man eine bestimmte Menge an Geld besitzt oder man regelmäßig Geld erhält (zum Beispiel eine Rente).

Costa Rica eignet sich besonders gut, da das Land doch sehr fortschrittlich ist und man eigentlich auf recht wenig verzichten muss. Man kann seinen Lebensstandard mehr oder weniger beibehalten.

 

Weshalb hast Du Dich für Costa Rica entschieden?

Ich denke die Frage erübrigt sich durch meine erste Antwort ;-)

 

Hast Du die Sprache schon vorher gesprochen oder vor Ort gelernt?

Vor meiner Backpacker-Reise machte ich einen kurzen Spanischkurs in einer Abendschule. Viel mehr als „Hallo, wie geht es dir?“ kam aber dabei nicht heraus.

Ich kam also im Prinzip mit null Spanischkenntnissen an. Recht viele Ticos (Costaricaner) sprechen aber Englisch, womit ich mich mit einigen Leuten unterhalten konnte.
 

Wie hast Du dort eine Arbeit gefunden?

Mein ursprünglicher Plan, eine Arbeit zu finden, zerschlug sich sehr schnell. Denn einige Wochen vor der Abreise empfing ich meinen ersten Scheck von Google.

Ich hatte schon während der Reise angefangen einen Blog zu schreiben und hatte dort Google AdSense Anzeigen eingeblendet.

Daraufhin beschloss ich, dass ich mein Geld im Internet verdienen möchte, was ich dann schlussendlich auch tat (wenn auch mit Umwegen).
 

Was hast Du gemacht, um vor Ort eine Wohnung zu finden?

Einen Monat lang wohnte ich in einem Hostel, was eine super tolle Erfahrung war. Man lernt unendlich viele nette Menschen kennen. Die Geschichten über meine Zimmernachbarn aus Nepal faszinieren meine Freunde heute noch.

Die Zeit nutzte ich dann auch, um einige Kontakte zu Ticos aufzubauen. Diese wiederum waren mir dann mit einigen Dingen behilflich, auch mit der Wohnungssuche.

Gab es viel Papierkram zu erledigen für eine Aufenthaltsbewilligung?

Ich kann das natürlich nicht vergleichen mit anderen Ländern, aber JA! Man muss diverse Urkunden und Papiere besorgen. Die Kosten liegen dazu bei etwa 400,00 $ (plus die Kosten für die Papiere aus der Heimat).

Dazu kommt noch, dass es bei mir 18 Monate gedauert hat vom ersten Anmelden bei der Einwanderungsbehörde bis zum Erhalten der Aufenthaltsbewilligung.

Wer mit einem Anwalt arbeitet, kann dies aber auch deutlich schneller machen. Da muss man aber nochmal mit circa 1000,00 $ mehr rechnen.

Welche Empfehlungen hast Du betreffend Krankenkasse, Versicherungen und Rente?

Die „Caja“ (staatliche Krankenkasse) ist eigentlich recht gut. Es gibt aber immer mal wieder Momente, wo man einfach zu einem privaten Arzt geht und die Kosten selbst trägt.

Die Kosten dafür halten sich stark in Grenzen. Gesundheitstourismus ist dadurch auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Es ist günstig, bei hoher Qualität.

 

Welche Tipps hast Du, um Kontakte zu knüpfen in einem fremden Land?

Online Communities, Ausgehen, Vereine.

Was mir am meisten gebracht hat, war das Wohnen in einer WG mit Studenten. So kommt man natürlich sofort in Kontakt mit vielen Einheimischen. Ist aber natürlich nicht für jeden eine realistische Option.


Hast Du den Schritt jemals bereut?

Aber natürlich! Es gibt immer Momente, wo man die Heimat so vermisst, dass es weh tut. Wenn zum Beispiel die sagen wir mal „Eigenheiten“ des Landes nur so auf einen herab fallen und alles extrem fremd wirkt.

Das kann etwa sein, wenn man mit Behörden zu tun hat. Man denkt sich dann einfach, das würde bei uns viel einfacher gehen. Aber meistens vergeht es ja auch schnell wieder.

 

Was gefällt Dir in Costa Rica besser als in der Schweiz?

Gute Frage. Hauptsächlich, dass ich hier irgendwie freier bin. Ich konnte hier vom ersten Tag an genau das machen, was ich wollte. Konkret war dies bei mir mein Traum vom „Geld im Internet verdienen“.

Zu Hause war ich einfach zu sehr festgefahren im Leben, als das ich so etwas versucht hätte. Und hier war das irgendwie kein Problem.

Wie fühlst Du Dich, wenn Du Besuche in der Schweiz machst?

Das ist schwierig zu beschreiben. Es ist immer sehr schön und macht Spaß. Man sieht die ganzen Leute, die man vermisst. Man kann das gute Essen genießen, welches es hier nicht gibt. Und so weiter.


Welches Land ist für Dich Deine Heimat?

Heimat ist die Schweiz, ganz klar. Aber ich bin jetzt hier in Costa Rica „zu Hause“. So könnte man das beschreiben.

 

Willst Du irgendwann in die Schweiz zurückkehren?

Hmm... Im Moment sieht es nicht danach aus. Hier ein Gedankengang: Damit ich in der Schweiz den gleichen Lebensstandard erreichen kann wie hier, benötige ich sehr viel mehr Geld.
So weit so gut. Sollte ich aber so viel Geld haben, dann würde das hier in Costa Rica ein Leben wie ein König bedeuten. Das ist natürlich auch nicht zu verachten.
Ich könnte mir aber vorstellen, wieder in die Nähe zu kommen. Etwa im Süden Europas. Da würde mir auch das Klima besser passen.

Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Falls jemand mit dem Gedanken spielt, nach Costa Rica auszuwandern oder einfach mal hier in den Urlaub fahren möchte, dann kann er mich jederzeit anschreiben.
Ich hab schon einigen Leuten in der Hinsicht ausgeholfen und mache es gern wieder. Ich freue mich auch immer wieder, jemanden zu treffen und etwas Deutsch zu quatschen.

Vielen Dank Dani für Deine Antworten zu einem interessanten Thema.

 

Haben Sie schon mit dem Gedanken gespielt auszuwandern?

Unten sehen Sie noch ein paar Bilder von Dani und Costa Rica.

Ergänzung am 05.05.15: In seinem neuen Blog Tropenwanderer gibt es viele interessante Infos über Costa Rica.

Kommentare: 12 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Tina (Donnerstag, 19 März 2015 09:44)

    Mit diesem Beitrag streut man bei vielen Lesern bestimmt Salz in eine offene Wunde ,-) Ich finde es immer wieder toll, wenn Auswanderer berichten, wie sie den Start und die Hürden gepackt haben. Schön das Dani endlich zu Hause angekommen ist.

    Auch wir spielen öfter mal mit dem Gedanken, Deutschland den Rücken zuzudrehen und einfach weg. Dann kommt aber das große Aber: Wohin auswandern? Nach Italien, der Heimat meines Mannes ? Ich kann perfekt auf italienisch fluchen , aber das reicht dann wohl kaum für eine vernünftige Kommunikation vor Ort ;-)
    Dahin auswandern, wo nur englisch gesprochen wird? Herrjeh, dazu müsste die gesamte Familie ordentlich die Schulbank drücken. Apropos Schulbank, unser Sohn hätte mit einer Auswanderung die größten Probleme, denn zur Zeit ist er in einer Sprachheilschule ( 3. Schuljahr) und musste ordentlich Defizite aufholen. Der damalige Kinderarzt war schuld, viel zu spät wurde bemerkt das die Polypen auf die Ohren drückten und der Knirps nur alles wie durch Watte hörte.
    Auswandern steht dann also im nächsten Leben definitiv auf der To Do Liste und Costa Rica wäre mehr als nur eine Überlegung wert;-)
    Bis dahin schicke ich Dani ganz liebe Grüße rüber und wünsche ihm weiterhin alles Gute .
    LG Tina

  • #2

    Fabian Auler (Donnerstag, 19 März 2015 09:50)

    Tolles Interview. Sehr spannend und irgendwie habe ich jetzt auch gerade Lust auszuwandern ;-).

  • #3

    Claudia (Donnerstag, 19 März 2015 11:43)

    Hallo Tina,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Mit Partner und Kindern ist das Auswandern dann nicht mehr so einfach. Bei speziellen Sachen wie einer Sprachheilschule muss man auch erst mal schauen, ob es im neuen Land dieselben Möglichkeiten gibt. Kinder haben meistens weniger Probleme eine neue Sprache zu lernen als Erwachsene. Die werden auch bei uns einfach in den Kindergarten geschickt ohne die Sprache zu sprechen und es geht.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Claudia (Donnerstag, 19 März 2015 11:46)

    Hallo Fabian,
    vielen Dank für den Kommentar. Mit dem Gedanken auszuwandern haben wohl schon viele gespielt und wenn man dann ein positives Beispiel liest, ...
    Viele Grüße
    Claudia
    PS: Der Link hat nicht funktioniert. Ist das der richtige http://www.farbentour.de/?

  • #5

    Jutta Beyer (Donnerstag, 19 März 2015 17:16)

    Hallo Claudia,

    sehr interessantes Interview, habe mich schon länger gefragt wie (im Sinne von warum ;-)) Dani Schenker eigentlich nach Costa Rica gekommen ist.
    Wir sind hier mit Kindern, Haus und Arbeit auch so eingebunden, dass Auswandern nicht in Frage kommt - und eigentlich gefällt es mir hier auch, zumindest wenn es nicht allzu kalt und düster ist.
    Aber ist immer schön, ein bisschen zu träumen - das war gerade richtig Urlaub-Feeling beim Lesen.

    Liebe Grüße
    Jutta

  • #6

    Claudia (Donnerstag, 19 März 2015 17:34)

    Hallo Jutta,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ans Auswandern hat wohl jeder schon mal gedacht, aber die Umsetzung ist gerade mit Familie nicht so einfach. Aber man träumen und Urlaub planen ist ja auch schön.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #7

    Dani Schenker (Donnerstag, 19 März 2015 18:13)

    Hallo zusammen! Vielen Dank für die netten Kommentare :)

    @Claudia: Ja, das ist die Domain von Fabian ;-)

    @Jutta: Du sprichst genau das an, was ich mit "nicht für jeden eine realistische Option". Du kannst natürlich nicht mit deiner Familie in einer Studenten WG wohnen ;-) Du brauchst auch einen echten Plan, damit es mit der ganzen Familie klappt. Eine solche Verpflichtung hatte ich natürlich damals nicht.

    @Tina: Italien? Das wäre doch wunderbar :) Und so wie ich mich an meine Italienurlaube erinnere, würde ich sagen, dass man mit Fluchwörtern schon ziemlich weit kommt :D hehe

    @Anna: Boah... Ja, nach Mexiko Stadt würde ich definitiv auch nicht auswandern wollen ;-) Ich kenne es zwar nicht persönlich, aber man hört ja vieles ;-)

  • #8

    Claudia (Freitag, 20 März 2015 06:43)

    Hallo Dani,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Hat mich gefreut, dass Deine Geschichte so gut angekommen ist.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #9

    AV100.de (Freitag, 20 März 2015 16:56)

    Ich wollte auch mal auswandern.
    Ich war viele Jahre regelmäßig mehrmals im Jahr in der Dominikanischen Republik.
    Da waren auch viele Schweizer.
    Spanisch habe ich gelernt und konnte mich auch ganz gut verständigen.
    Jetzt ist es leider ein bisschen eingerostet.

    Zum Glück habe ich es dann doch nicht gemacht.
    Viele Auswanderer sind dort vor die Hunde gegangen und einige die ich kannte liegen nun in einem einsamen mit Unkraut überwucherten Grab in Sosua Abacho. Andere sind in den USA oder in Deutschland im Knast.

    Wenn man kein Geld hat dann klappt es in der Regel nicht.
    Arbeit gibt es kaum für die Einheimischen und wenn man einen Job findet dann wird er schlecht bezahlt.
    Man muss sich halt selbständig machen.
    Ein Kumpel von mir hat eine kleine Pension betrieben mit seiner dominikanischen Frau.
    Die wollte aber lieber laufend Stress machen und nach Deutschland.
    So hat er dann klein beigegeben und ist mit ihr und dem Kind nach Deutschland gegangen um sich dann Jahre später scheiden zu lassen.

    Costa Rica war ich noch nicht. Ich habe mir aber mal von einem Freund eine Flasche Centenario 25 mitbringen lassen.
    Das ist schon ein leckeres Getränk.

    Ich bin dann doch noch ausgewandert von Niedersachsen ins Erzgebirge und hier fühle ich mich wohl und werde auch bleiben.

    Wenn ich Karibik brauche dann gönne ich mir einen Dominikanische Zigarre, ein Glas Rum und spiele Bachata und Merengue Songs auf meinem Tablet ab.

    Urlaub machen würde ich aber schon mal in Costa Rica. Allein schon wegen dem leckeren Rum.

    Grüße
    Lothar





  • #10

    Claudia (Freitag, 20 März 2015 17:01)

    Hallo Lothar,
    vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. So hat jeder eine Auswandergeschichte.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #11

    Dani Schenker (Montag, 23 März 2015 06:03)

    Hallo Lothar,

    Tut mir natürlich leid, dass es deinen Freunden nicht so gut ergangen ist... Auswandern ist sicher nicht für jeden...

    Zwei Anmerkungen habe ich jedoch:
    1. Scheitern kann man überall. Das hat nichts mit dem Auswandern zu tun. Es gibt genügend Menschen die auswandern und keine Probleme haben.
    2. Ob nun Unkraut oder Blumen auf einem Grab wachsen, dürfte dem Toten bestimmt mal vollkommen egal sein. Würde mich auch wundern, wenn es in Deutschland keine Gräber mit Unkraut geben würde ;-)

    Grüsse
    Dani

    Oh... Ja, der Centenario Rum ist wirklich eine feine Sache ;-)

  • #12

    Claudia (Montag, 23 März 2015 07:05)

    Hallo Dani,
    das stimmt, scheitern kann man in jedem Land, auch im Heimatland.
    Das sind einfach viele Faktoren, die dazu beitragen, ob das Auswandern erfolgreich ist oder nicht.
    Viele Grüße
    Claudia