Claudias praktischer Ratgeber zur Nachhaltigkeit

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit?

Achten Sie beim Kauf auf Siegel?
Siegel auf Produkten, die wir kaufen

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich gerne Schokolade esse. Vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass auf den Schokoladentafeln, die ich esse, das "UTZ Certified Kakao" Siegel ist. Neugierig wie ich bin, habe ich mich nun näher damit befasst, was das konkret bedeutet.

Betriebe können nach Prüfung durch eine unabhängige Drittperson Kaffee, Tee oder Kakao UTZ zertifizieren lassen. Es müssen strenge Anforderungen erfüllt und ein verantwortungsbewusster Anbau nachgewiesen werden.

 

Nachhaltigkeit ist heute zum Schlagwort geworden. Laut Wikipedia ist Nachhaltigkeit ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.

2 Beispiele:

  • In der Forstwirtschaft soll  nicht mehr Holz gefällt werden als nachwachsen kann.
  • Beim Fischfang soll nicht mehr gefangen werden als sich natürlich vermehren oder zuwandern kann.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis, der seit 2008 vergeben wird, ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Die Prämierung möchte den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen.

Kunden kaufen heute nicht nur einfach ein Produkt, sondern informieren sich auch über den Verkäufer, Händler oder Hersteller, was durch das Internet sehr einfach geworden ist. Die Art und Weise, wie ein Produkt hergestellt und gehandelt wird, wie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sind, spielt eine große Rolle bei der Kaufentscheidung.

3 Beispiele:

  • Die große Nachfrage nach Bio-Produkten, hat dazu geführt, dass viele Bauern auf Bio umgestellt haben, wo gewisse Regeln bei der Haltung und Fütterung der Tiere beachtet werden müssen. Fast jeder Supermarkt hat mittlerweile seine eigene Bio-Marke.
  • Als Amazon immer wieder in die Schlagzeilen geriet wegen der schlechten Bedingungen der Arbeitnehmer, haben viele Kunden ihr Konto gelöscht oder nicht mehr bei Amazon bestellt.
  • Einstürze von oder Brände in Fabrikgebäuden im Ausland von Textilunternehmen haben diese durch fehlenden Brand- und Gebäudeschutz in negative Schlagzeilen gebracht.

Auf der einen Seite stellt der Käufer und Verbraucher Anforderungen an das Produkt:

  • Es soll den jeweiligen Standards und Normen der Branche entsprechen.
  • Keine Schad- und Giftstoffe enthalten.
  • Keine Sicherheitsmängel aufweisen.
  • Einen akzeptablen Preis haben.

Auf der anderen Seite soll das Produkt:

  • Fair hergestellt und gehandelt worden sein.
  • Die Mitarbeiter in der Produktion und beim Handel faire Arbeitsbedingungen und faire Mindestlöhne haben.

Aus dieser Anforderung des Kunden und Konsumenten nach umweltfreundlichen und sozialgerechten Produkten sind diverse Firmen entstanden, wie z. B. Fairtrade, die sich genau dafür einsetzen, nach Prüfung ein Zertifikat vergeben und damit die Verwendung eines Siegels erlauben, um zu dokumentieren, dass das Produkt tatsächlich umweltfreundlich und sozialgerecht hergestellt und gehandelt wurde.

Nachfolgend ein paar Kriterien, um ein Fairtrade-Siegel zu erhalten:

  • Faire Mindestpreise, die ein existenzsicherndes Einkommen gewährleisten (z. B. bei landwirtschaftlichen Produkten).
  • Einhaltung der im jeweiligen Land gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne.
  • Möglichkeit der Vorfinanzierung für Produzenten, um lokale Kreditgeber mit überhöhten Zinsen zu vermeiden.
  • Langfristige Abnahmeverträge für eine bessere Planung und Wirtschaftlichkeit.
  • Verbot von illegaler Kinder- und Zwangsarbeit.
  • Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen.

Hier ist eine Produktdatenbank mit fair gehandelten Produkten nach Kategorien: Baumwollprodukte, Blumen, Früchte, Getränke, Honig, Konfitüre und Brotaufstriche, Kaffee, Kakao, Koch- und Backhilfen, Kosmetik, Reis und Getreide, Sportbälle, Süßwaren, Tee, Trockenfrüchte und Nüsse, Zucker.

 

Ein höherer Preis für das Produkt ist durchaus gerechtfertigt und kann auch mit dem Mehraufwand und den Mehrkosten bei der Herstellung und beim Handel begründet werden. Firmen müssen nachweisen, dass sie umweltfreundliche und sozialgerechte Produkte herstellen oder handeln und das auch entsprechend vermarkten.

 

Ein Qualitätsmanagement ist für jede Firma ein Muss geworden. Es gibt für viele Branchen Siegel. Hier ein paar Beispiele, die Ihnen vielleicht schon auf Artikeln aufgefallen sind:

  • Fischfang: MSC (Marine Stewardship Council).
  • Fleisch: Bioland, NEULAND, WIESENHOF.
  • Forstwirtschaft: FSC (Forest Stewardship Council).
  • Lebensmittel: Bio, UTZ Certified.
  • Textilien: Öko-Tex Standard 100, Naturland.

Es gibt aber auch viele Verpackungen, die durch

  • die Verwendung spezieller Farben (z. B. grüne Farbe für Bio-Produkte),
  • Bilder, die bestimmte Zutaten suggerieren, obwohl nur Aromen verwendet werden,
  • Logos, die aussehen wie ein Siegel, das Vertrauen erwecken soll,
  • oder das Wort "fair" im Produktnamen oder der Beschreibung

Qualität vortäuschen. Hier ist ein interessanter Link mit einem Siegel-Glossar. Es ist nicht einfach für Verbraucher, den Überblick zu behalten, welches Produkt vertrauenswürdig und nachhaltig ist. Der lokale Metzger schlachtet oft selbst, bei regionalen Anbietern ist die Herkunft bekannt und die Transportwege zum Verbraucher sind kurz . Viele holen deshalb auf dem Markt oder direkt beim Bauern z. B. Eier, Obst und Gemüse.

 

Und trotz zahlreicher anerkannter Siegel, Zertifizierungsprogrammen, gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen kommt es immer wieder zu Skandalen. Aber dank der Medien und dem Internet geraten die betroffenen Firmen, Zertifizierungsstellen, zuständigen Behörden und Ämter, Politiker und der Verbraucherschutz unter Zugzwang, rasch zu reagieren.

 

Dabei kam es auch immer wieder zu Diskussionen über den Datenschutz, inwieweit solche Fälle namentlich öffentlich gemacht werden können bzw. müssen.


Fazit
Konsumenten und Verbraucher werden immer mehr darauf achten, wie das Produkt, das sie kaufen, hergestellt und gehandelt wurde. Image und Reputation der Produzenten oder Händler in der Öffentlichkeit müssen einwandfrei sein, um Produkte gut bzw. besser zu verkaufen.

Worauf achten Sie beim Einkaufen?


Ergänzung am 08.07.15

Im  Blog www.jungemodeonlineshop.de von Lothar findet bis 31.07.15 eine Blogparade "Fair Trade Kleidung und nachhaltige Mode" statt. Ich finde Nachhaltigkeit generell ein wichtiges Thema, nicht nur in Bezug auf Mode.

Es ist eine Sache, sich darüber Gedanken zu machen und dementsprechend beim Einkauf darauf zu achten, aber oft ist auch das Geld nicht vorhanden, sich für die teurere Variante zu entscheiden. Ein weiterer Punkt ist die Entsorgung und Wiederverwertung. Die Tafeln sammeln z. B. überschüssige Lebensmittel ein für die Weitergabe an Bedürftige. Auch für Kleidung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Jeder von uns kann etwas tun der Umwelt zu Liebe.

Kommentare: 12 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hans (Mittwoch, 08 Juli 2015 08:50)


    Hallo Claudia,
    herzlichen Dank für den interessanten Beitrag.

    Es gäbe noch mehr nachhaltige Käufe. Aber manche Menschen sind ihrem Portemonnaie nicht böse, oder sie können es sich leider nicht leisten. Die überlegen nicht lange, ob sie ein Kilo Bananen für 0,80€ kaufen, oder die für 1,50€.

    Manche machen sich aber einfach auch keine Gedanken. Sie erwägen nicht, dass man für 0,80€ keine Premium-Qualität erwarten kann. Sie erwägen vermutlich auch nicht, was dem Bananenpflücker noch an Lohn bleibt, wenn wir als Verbraucher für 0,80 Bananen kaufen können. Aus purer Nächstenliebe wird uns der Supermarkt die Bananen nicht so günstig anbieten. Er wird beim EK nicht drauf legen wollen.
    Lieben Gruß Hans

  • #2

    Peter Ehrlich (Mittwoch, 08 Juli 2015 11:01)

    Hallo Claudia,
    interessanter Artikel. Nachhaltigkeit wir meist relativ betrachtet. Damit ist es möglich, Nachhaltigkeit zu verklären. Dein Beispiel mit dem Wald: "In der Forstwirtschaft soll nicht mehr Holz gefällt werden als nachwachsen kann." Im Hochmittelalter wurden im deutschen Raum die Wälder erbarmungslos abgeholzt. Meist nur das gute Hartholz, wie Buche und Eiche. Über dass, was wir heute Nachhaltigkeit nennen dachte im 17. Jh. Hans Carl v. Carlowitz nach und ließ die abgeholzten Wälder, ehemals Buchen und Eichen mit billigen Fichten aufforsten.

    Damals war der Gedanke eine Errungenschaft. Heute sind wir schlauer und wissen, dass die unterschiedlichen Baumarten und andere Bedingungen den Wald nachhaltig verändert haben. Mit anderen Worten, Nachhaltigkeit muss einen Kreislauf bilden. Was wir nehmen, beben wir auch wieder zurück und ersetzen es nicht durch Anderes. Nur dann können wir wirklich über Nachhaltigkeit reden. Alles Andere sollte als gut gemeinte Ansätze ausgewiesen werden.
    Viele Grüße
    Peter

  • #3

    Lothar (Mittwoch, 08 Juli 2015 13:55)

    Das hast Du einen schönen Beitrag verfasst.
    Hätte auch schön zu meine Blogparade gepasst.

    Schade das Du es nicht in dem Zusammenhang gebloggt hast.

    Grüße aus der Bloggergruppe von Alex
    Lothar

  • #4

    Claudia (Mittwoch, 08 Juli 2015 14:30)

    Hallo Hans,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das stimmt, es ist teilweise auch eine Frage des Geldes, ob man nachhaltig kauft, teilweise aber auch Unwissenheit. Nicht jeder macht sich Gedanken darüber, warum etwas so billig ist im Vergleich.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Claudia (Mittwoch, 08 Juli 2015 14:37)

    Hallo Peter,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Da hast Du einen wichtigen Punkt angesprochen. Es muss ein Kreislauf sein und etwas, das man nimmt, kann nicht durch etwas anderes ersetzt werden. Wenn z. B. eine Fisch- oder Baumsorte ausgerottet ist, nutzt es nichts, dass es von einer anderen Sorte noch etwas gibt.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #6

    Claudia (Mittwoch, 08 Juli 2015 15:01)

    Hallo Lothar,
    Deine Blogparade hatte ich gesehen, aber es geht dort speziell um Mode, was mir zu wenig war. Habe aber noch eine Ergänzung gemacht mit Verlinkung zu Dir.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #7

    Lothar (Mittwoch, 08 Juli 2015 16:12)

    Hallo Claudia,
    das ist aber sehr lieb von Dir. Vielen , vielen Dank für den Nachtrag.
    Ich habe Deinen Beitrag mir auch schon in der Zusammenfassung verlinkt.

    Viele Grüße
    Lothar

  • #8

    Claudia (Mittwoch, 08 Juli 2015 16:35)

    Hallo Lothar,
    vielen Dank für die Verlinkung und die Zusammenfassung.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #9

    Karin (Mittwoch, 29 Juli 2015 17:47)

    Ich denke auch, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist. Leider kann nicht jeder sie bei seinen Einkäufen realisieren.
    Für mich ist Nachhaltigkeit auch.. der bevorzugte Einkauf von regionalen Lebensmitteln. Wichtig finde ich auch das möglichst wenig Lebensmittel weggeschmissen werden sollten. Also gezielter Einkauf.
    Eine weitere Art der Nachhaltigkeit ist sicherlich das Verkaufen / Verschenken nicht mehr benötigter Gegenstände. .
    lg Karin

  • #10

    Claudia (Mittwoch, 29 Juli 2015 17:59)

    Hallo Karin,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, nachhaltig einkaufen kann sich nicht jeder leisten. Regionale Lebensmittel einkaufen ist ganz klar nachhaltig einkaufen. Das mache ich auch so, dass ich möglichst wenig wegwerfe und wenn ich Dinge aussortiere, werden sie verschenkt, verkauft oder gespendet.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #11

    Karoline (Donnerstag, 30 Juli 2015 08:42)

    Hallo Claudia!

    Ich kaufe die Produkte am Liebsten direkt beim Erzeuger oder am Wochenmarkt. Manche Produkte produziere ich auch selbst, gerade im Sommer bietet Natur & Garten eine große Vielfalt an. Bei Importprodukten (Bananen, Schokolade, etc.) achte ich auf das Fair Trade Siegel. Jedoch ist mir die Problematik durchaus bewusst, dass bei Produkten mit längeren Herstellungsweg durchaus auch Anteile aus nicht fairen Handel enthalten sein können. Schade, dass hier für den Konsumenten nicht mehr Transparenz besteht, wie fair das Produkt wirklich hergestellt wurde.
    Liebe Grüße, Karoline

  • #12

    Claudia (Donnerstag, 30 Juli 2015 14:45)

    Hallo Karoline,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Direkt beim Bauernhof oder auf dem Markt zu kaufen ist ein guter Weg, nachhaltig zu kaufen. Da stimme ich Dir zu, es ist für die Verbraucher nicht einfach, einen Überblick über die Siegel und deren Bedeutung zu erhalten.
    Viele Grüße
    Claudia