Claudias praktischer Ratgeber Blogparade zu Konflikten

Ein Konflikt als Chance?

Wie lösen Sie Konflikte?
Konflikte lösen erinnert oft an Tauziehen

Christina Wenz hat zu einer Blogparade Konflikte als Chance eingeladen. Durch den Beitrag von Hans Reuter bin ich auf diese Blogparade aufmerksam geworden. Nachfolgend meine Gedanken zu Konflikten und wie man sie lösen kann.

 

Von einem Konflikt (von lateinisch confligere zusammentreffen, kämpfen) spricht man laut Wikipedia, wenn Interessen, Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen oder Staaten miteinander unvereinbar sind oder unvereinbar erscheinen (Intergruppenkonflikt). Dabei kann man zwischen verschiedenen Strukturen von Konflikten, unterschiedlichen Gefühlen, die Konflikte begleiten (z. B. Wut, Ärger), und unterschiedlichem Verhalten (z. B. ein tätlicher Angriff) unterscheiden. Es gibt Konflikte mit anderen Menschen, aber auch Menschen, die im Konflikt mit sich selbst stehen.

 

Das Wort Konflikt ist meist negativ belegt. Oft wird dabei an Streit und Uneinigkeit gedacht. Für mich sind Gegensätze und Konflikte miteinander verknüpft. Ein paar Beispiele:

  • Kinder mit unterschiedlichen Interessen streiten, was gespielt werden soll.
  • Die einen essen lieber süß, die anderen pikant.
  • Bei der Urlaubsplanung möchte einer ans Meer, der andere in die Berge.
  • Verkauf und Marketing haben unterschiedliche Ansichten zur Vermarktung.
  • Mitarbeiter und Vorgesetzter sind sich nicht einig, wie eine Arbeit ausgeführt werden soll.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Konflikt zu lösen:

  1. Einer gibt nach.
  2. Man schließt einen Kompromiss.
  3. Beide Seiten kommen zu Wort, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
  4. Es wird Hilfe von dritter Seite geholt, wenn man sich nicht einigen kann.

Aber so einfach ist die Lösung eines Konflikts nun doch nicht. Wenn jemand seine Konflikte immer nur mit den ersten beiden Varianten löst, wird er/sie irgendwann unzufrieden und frustriert sein, immer nachzugeben und den Kürzeren zu ziehen. Oft kommt es dann zum großen Erstaunen und Unverständnis der Umgebung irgendwann zu einem großen Knall, wenn wieder um des lieben Friedens willen nachgegeben oder ein fauler Kompromiss eingegangen wurde. Die dritte Variante ist die beste, damit ein Konflikt für beide Seiten zufriedenstellend gelöst werden kann.


Um einen Konflikt zu lösen, ist ein offenes und ehrliches Gespräch notwendig, wo beide Seiten ihre Sichtweise erzählen. Das traut sich nicht jeder. Es gehört Mut dazu, ein offenes Gespräch zu führen und ehrlich über seine Gefühle (wie z. B. Wut, Ärger, Frustration, Enttäuschung, usw.) zu sprechen. Man muss auch Verständnis und Respekt für den anderen haben und zeigen. Manche Konflikte basieren einfach auf Missverständnissen, die sich durch ein Gespräch beseitigen lassen. Leider sind viele Menschen nicht konfliktfähig, geben lieber nach und gehen Auseinandersetzungen aus dem Weg.

 

Einige verfallen auch in Schuldzuweisungen. Natürlich sind oft besondere Umstände oder das, was ein Mensch gesagt oder getan hat, daran Schuld, dass ein Konflikt entstanden ist. Oft trägt die Reaktion der anderen Seite dazu bei, den Konflikt zu verschärfen. Aber eine Schuldzuweisung löst den Konflikt nicht. Im Gegenteil, sie verstärkt ihn oft und macht ein Gespräch unter Umständen unmöglich, weil sich die Fronten verhärten.


Wichtig sind Ich-Botschaften bei Gesprächen, um einen Konflikt zu lösen. In einem Elterncoaching, das ich mal besucht habe, wurde betont, wie wichtig es in der Kommunikation mit Kindern ist, ihnen zu vermitteln, was man selbst fühlt (siehe oben) anstatt  Kinder mit Du-Botschaften anzugreifen. Bei Erwachsenen ist das ebenso. Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen den beiden Sätzen "Ich bin verärgert, weil ..." und "Du hast mich verärgert, weil ..."

 

Die Grundvoraussetzung für ein solches Gespräch ist das Zuhören. Durch die Digitalisierung und den Anspruch Multitasking sind viele Menschen nicht immer mit 100 % bei der Sache, weil die Aufmerksamkeit geteilt wird. Ein paar Beispiele:

  • Während dem Autofahren wird telefoniert.
  • Beim Fahrradfahren wird Musik gehört.
  • Im Gespräch wird gleichzeitig das Smartphone bedient.

Kinder sind meist mit 100 % bei der Sache. Wenn sie sich anziehen sollen und gleichzeitig etwas erzählen wollen, wird das Anziehen während dem Reden unterbrochen. Durch den Leistungsdruck, der von außen, innen und der Umgebung kommt, versuchen viele, möglichst viel gleichzeitig zu erledigen und hören nur mit halbem Ohr zu. Es fällt vielen schwer, sich auf eine Sache oder einen Menschen zu konzentrieren.

 

Nachdem beide Seiten ihre Sichtweise erzählt haben, versteht hoffentlich jeder den anderen (besser), kann sich, wenn notwendig, entschuldigen und ganz wichtig verzeihen und vergessen, um einen Neuanfang zu machen, den Konflikt als gelöst abzuhaken anstatt ihn immer wieder aufzuwärmen. Im Idealfall wird ein Konflikt durch ein offenes und ehrliches Gespräch endgültig gelöst. Die Problematik bei beruflichen und privaten Problemen sehe ich in den Gefühlen, die Konflikte begleiten, weil sie oft daran hindern, eine Angelegenheit sachlich zu betrachten. Hier ist sehr viel Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt, um ein sachliches Gespräch zu führen und eine Lösung zu finden.


Fazit

Das Lösen von Konflikten erinnert mich an Tauziehen.

  • Entweder sind beide Seiten gleich stark bzw. stur, dann gewinnt keiner bzw. der Konflikt wird nicht gelöst.
  • Oder eine Seite ist stärker, die andere schwächer, einer gewinnt, einer verliert bzw. gibt nach oder lässt sich auf einen Kompromiss ein. Optimal ist, wenn die schwächere Seite überzeugt, nicht überredet wird.
  • Schön wäre es, wenn immer alle am gleichen Strang ziehen würden und sich einig wären.

Die Lösung eines Konflikts ist definitiv eine Chance für einen Neuanfang und ein besseres Miteinander.


Und wie lösen Sie Konflikte?

Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Christina Wenz (Montag, 19 Oktober 2015 08:07)

    Liebe Claudia, ich danke Ihnen von Herzen für Ihren wertvollen und interessanten Beitrag zur Blogparade! Es finde, Sie haben eine sehr klare, angenehme und schöne Art zu Schreiben! Ich bin begeistert! :-) Liebe Grüße, Christina Wenz

  • #2

    Peter Ehrlich (Montag, 19 Oktober 2015 10:15)

    Hallo Claudia,

    ist es wirklich immer so leicht, Konflikte zu lösen? Viele der Konflikte bleiben ungelöst und schwelen, wie die Glut eines Feuers. Es bedarf nur einer Geringfügigkeit, um den Brand auf ein Neues zu entfachen. Konflikte entstehen, wenn jemand meint, das Recht für sich in Anspruch nehmen zu können. Die falsche Reaktion, zumindest denke ich so, sofort mit einer unüberlegten Reaktion gegenzuhalten.

    Ein kluger ehemaliger Arbeitskollege sagte einmal zu mir: Warum stellst du dich jemanden in den Weg, der einen Konflikt heraufbeschwört? Tritt doch einfach einen Schritt zur Seite und lass dich nicht vom Feuer verbrennen. Jetzt hast du Zeit abzuwägen und zu überlegen. Trägst du eine Schuld, dann ergreife die Initiative zur Klärung des Problems. Bist du unschuldig, dann stelle sichtbar eine Brandschutzwand auf. So als wolltest du sagen, bis hier her und nicht weiter. Das funktioniert fast immer. Ich nenne so etwas konfliktfreie Lösung von Problemen.

    Denn eines ist für mich sicher. Konflikte sind wie Feuer. Nur wenn man dem Feuer sein Brennmaterial entzieht, kann man es löschen. Eine falsche Handlung beim Löschen eines Feuers lässt es lichterloh brennen. Große Feuer sind allein kaum noch zu löschen. Für eine Glut bedarf es nur eines Windhauches, um sich zu entzünden. Hier besteht die Möglichkeit, das Problem zu lösen. Tue es, damit kein Brand entsteht. Brandverletzungen hinterlassen meist Narben. Die vielleicht nach vielen Jahren verblassen, dennoch wird man sie immer sehen.

    Viele Grüße
    Peter

  • #3

    Hans (Montag, 19 Oktober 2015 11:01)

    Hallo Claudia,

    herzlichen Dank für die Erwähnung und diesen tollen Beitrag.
    Man muss für sich entscheiden, ob man einen Konflikt überhaupt lösen möchte. Hat eine Seite kein Interesse an einer Lösung, dann wird es dazu auch nicht kommen.
    Schuldzuweisungen oder Vorwürfe sind Garanten dafür, dass ein Konfliktlösungsgespräch nicht funktionieren wird. Das geht gar nicht. Daher sind die - von dir auch benannten - "Ich" Botschaften so sehr wichtig.
    Eine gute, neue Woche und einen lieben Gruß
    Hans

  • #4

    Claudia (Montag, 19 Oktober 2015 15:45)

    Liebe Christina,
    vielen Dank für den Kommentar und das Kompliment. Freut mich sehr, wenn mein Schreibstil ankommt. Vielen Dank auch für die Inspiration, sich über dieses Thema Gedanken zu machen.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Claudia (Montag, 19 Oktober 2015 15:51)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Da muss ich Dir leider recht geben. Nicht jeder Konflikt lässt sich lösen. Manche pochen auf ihr vermeintliches Recht und dann lässt sich nichts machen. Den Vergleich mit einem Feuer finde ich auch sehr passend. Manchmal bedarf es nur eines Satzes und der Konflikt lebt wieder auf bzw. das Feuer brennt wieder, obwohl eigentlich ein klärendes Gespräch stattgefunden hat. In so einem Fall ist es meist besser, solchen Menschen aus dem Weg zu gehen und wie Du schreibst eine Brandschutzwand aufzustellen.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #6

    Claudia (Montag, 19 Oktober 2015 15:54)

    Hallo Hans,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, man muss sich entscheiden, ob man einen Konflikt lösen möchte. Wenn die "Gegenseite" das nicht will, hat man keine Chance. Dann hilft nur Distanz.
    Viele Grüße
    Claudia