Claudias praktischer Ratgeber Blogparade zum Nein sagen

Warum wir lieber "ja" sagen

Nein sagen fällt oft schwer
Ja, nein oder vielleicht, welcher Typ sind Sie?

Katrin Klemm hat zu einer Blogparade Nein sagen und selbstbestimmt glücklich werden eingeladen. Ich bin mal wieder durch den Beitrag meines Bloggerkollegen Hans Reuter auf eine interessante Blogparade aufmerksam geworden. Vielen Dank lieber Hans für die Inspiration.

 

Hier nun meine Gedanken zum Thema. "Ja" und "nein" gehören zu unserem Grundvokabular, die meist nach "Mama" und "Papa" gelernt werden. Früher war die Erziehung streng. Eltern haben von ihren Kindern Gehorsam erwartet. Es musste das gemacht werden, was die Eltern sagten, Widerspruch wurde nicht geduldet. Die Kinder mussten zu allem "ja" sagen. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre kam die antiautoritäre Erziehung in Mode.  Sie sollte die freie Entwicklung der Kinder ohne Zwänge fördern. Klaus Schaller kritisierte damals, dass die antiautoritäre Erziehung das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern umgedreht habe. Nun sagten die Eltern zu allem, was die Kinder taten und sagten, "ja".


Im Elternhaus, im Kindergarten, in der Schule und später in der Arbeitswelt gibt es Regeln, an die sich die Kinder und später die Erwachsenen halten bzw. zu denen sie "ja" sagen sollen. Die einen halten sich an die Regeln, ohne zu hinterfragen, ob sie Sinn machen, sagen einfach "ja". Andere stellen die Regeln in Frage, halten sich nicht daran und sagen "nein".

 

Vielleicht passen sich Kinder mit strenger Erziehung eher an in der Schule und im Arbeitsleben, ordnen sich unter und halten sich an die Regeln. Oder sie fangen irgendwann an, zu rebellieren, lehnen sich gegen Eltern, Lehrer, Vorgesetzte auf und sagen aus Prinzip "nein", auch wenn ein "ja" möglich wäre.

 

Kinder, die ohne irgendwelche Regeln erzogen wurden, machen meist einfach was sie wollen. Sagen "ja" oder "nein" wie es ihnen passt.

 

Es fällt oft der Satz "Es sind ja noch Kinder.". Ist das eine Erklärung oder Entschuldigung für das Verhalten von Kindern? Soll ich immer "ja" sagen zu dem was mein Kind sagt oder tut, weil es noch ein Kind ist? Natürlich kann ein Kind nicht wissen, dass man sich z. B. bei Erhalt eines Geschenks bedankt, oder "Entschuldigung" sagt, wenn etwas nicht in Ordnung war. Das sind Dinge, die Kindern beigebracht werden müssen. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, Grenzen zu setzen, Regeln aufzustellen, je nach Sachlage "ja" oder "nein" zu sagen. Denn irgendwann ist das Kind kein Kind mehr und der Satz kann nicht mehr angewendet werden. Idealerweise erklären die Eltern, warum sie "ja" oder "nein" sagen, damit die Kinder die Entscheidung verstehen und akzeptieren.

 

Fest steht, dass sich die Wertvorstellungen in der Erziehung geändert haben. Standen früher Gehorsamkeit und Disziplin im Vordergrund, sollen Kinder heute in ihrer Entwicklung gefördert werden.

 

Eine ungünstige Entwicklung sehe ich auch durch die Digitalisierung, weil weniger miteinander gesprochen und mehr geschrieben wird. Manchen fällt es anscheinend schriftlich leichter, "nein" zu sagen. Aber z. B. per SMS Schluss zu machen ist ein ganz schlechter Stil.


Menschen sind unterschiedlich. Die einen sagen immer "ja", die anderen immer "nein" und sind auf Konfrontation aus. Dann gibt es noch die "Vielleicht-Typen", die sich nicht entscheiden können. Hat wohl jeder schon mal beim Bäcker, Metzger oder im Kaufhaus erlebt, dass sich jemand einfach nicht entscheiden kann, was er/sie nimmt und alle Menschen in der Schlange warten müssen, bis endlich eine Entscheidung - meist mit Hilfe des Verkäufers - getroffen wird. Manche vertreten auch immer gerade die Meinung von demjenigen mit dem sie gerade sprechen. Da wird je nach Gesprächspartner aus einem "ja" schnell ein "nein" und bei nächster Gelegenheit wieder ein "ja". Selbstverständlich gibt es auch viele "Mischtypen". Man kann Menschen nicht in Schubladen sortieren.

 

Grundsätzlich hat wohl fast jeder ein gewisses Harmoniebedürfnis und möchte von seinen Mitmenschen akzeptiert werden, was teilweise dazu führt, um des lieben Friedens willen immer "ja" zu sagen und dadurch Konflikte zu vermeiden. Immer "ja" zu sagen bedeutet eine gewisse Selbstaufgabe, da es auch Nachteile mit sich bringen kann. Solche Menschen werden beruflich und privat häufig ausgenutzt. Hilfsbereitschaft ist eine wertvolle Charaktereigenschaft, aber wenn immer nur Hilfe gegeben, nie erhalten wird, ist sie einseitig und ein "nein" längst überfällig. Wir sagen oft "ja" zu unserem Partner, Vorgesetzten, Freunden oder Bekannten, weil es einfacher ist und wir niemanden verletzen oder verärgern wollen. Wie oft haben wir nach einem vorschnellen "ja" gedacht "Was habe ich mir da wieder eingebrockt, warum habe ich bloß zugesagt?". Es ist weitaus schwieriger, eine Zusage in eine Absage zu ändern, als sofort "nein" zu sagen. Aber genau das fällt vielen Menschen schwer. Sie müssen mühsam lernen, für sich selbst und ihre Überzeugung einzustehen und auch mal "nein" zu sagen. Um "nein" zu sagen braucht man Mut und Vertrauen in sich selbst und die Überzeugung, dass das, was man sagt und tut, richtig ist. Wenn jemand immer in derselben Situation "ja" sagt und sich danach über sich selbst ärgert, wird es Zeit, sich eine Strategie, ein paar Argumente für die nächste Situation zu überlegen, um "nein" zu sagen. Fragen stellen und Gegenvorschläge machen helfen dabei oft.

 

Fazit

Wichtig ist, sich selbst zu bejahen. Wer sich selbst verleugnet und immer "ja" sagt, sagt "nein" zu sich. Nur wenn wir "ja" zu uns selbst, unserem Denken und Handeln sagen, haben wir den Mut "nein" zu sagen, wenn es erforderlich ist.

 

Fällt Ihnen das "nein" sagen schwer?

Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Katrin (Montag, 26 Oktober 2015 08:02)

    Vielen Dank, liebe Claudia für Deinen Beitrag zu unserer Blogparade. Ich werde diese Woche mal Eltern und Kinder genauer beobachten - wie die mit ihren Ja's und Nein's Umgehen.

  • #2

    Hans (Montag, 26 Oktober 2015 09:57)


    Guten Morgen Claudia,
    danke herzlich und ich freue mich, dass ich Inspirator sein durfte.
    Dem laissez-faire fehlt halt die Rückmeldung, was falsch lief und wo man Regeln und Tugenden missachtet hat. Kinder brauchen eine Orientierung, die sie ja auch ein Stück weit schützt.

    A pros pos: Um vorschnelle "JAs" zu verhindern, sage ich mittlerweile immer häufiger, dass ich mir die Entscheidung mal eine Nacht unter das Kopfkissen legen möchte. Ist allemal besser für mich, als mich zu ärgern, dass ich vorschnell war.
    Wünsche dir eine gute Woche.
    LG Hans

  • #3

    Claudia (Montag, 26 Oktober 2015 14:13)

    Hallo Katrin,
    vielen Dank für Deinen Kommentar und die Idee zu dieser Blogparade. Das werde ich auch genauer beobachten, wie Eltern und Kinder mit "ja" und "nein" umgehen. Bin gespannt auf die Auswertung.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Claudia (Montag, 26 Oktober 2015 14:15)

    Hallo Hans,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist auch eine gute Idee, zu sagen, dass man eine Nacht drüber schlafen möchte.
    Viele Grüße und auch eine gute Woche
    Claudia

  • #5

    Benjamin (Montag, 26 Oktober 2015 17:35)

    Hallo Claudia,

    treffend auf den Punkt gebracht! Man kann die immense Bedeutung und Macht des Wortes "Nein" gar nicht oft genug betonen. Wie du es schon treffend beschreibst: Ein "Nein" zur Selbstaufgabe ist ein "Ja" zu sich selbst. Schließlich ist das auch ein Signal an die Umwelt - mit mir nicht. Insofern erntet man nicht nur Respekt für die Dinge, die man tut, sondern auch für die, die man nicht tut.

    Viele Grüße
    Benjamin

  • #6

    Claudia (Montag, 26 Oktober 2015 18:01)

    Hallo Benjamin,
    vielen Dank für Deinen Kommentar, der es ebenfalls treffend auf den Punkt bringt.
    Viele Grüße
    Claudia