Claudias praktischer Ratgeber zum Verhaltensmuster brechen 

Verhaltensmuster brechen

Verhaltensmuster erkennen und brechen
Welche Verhaltensmuster haben wir?

Durch den Beitrag von microTOOL bin ich auf die Blogparade Muster brechen im Zusammenhang mit Projekten von Eberhard Huber vom PM Camp Dornbirn aufmerksam geworden und auf die Idee gekommen, einen Artikel zum Thema Verhaltensmuster brechen zu schreiben.

 

Laut Wikipedia bezeichnen Verhaltensmuster in der Verhaltensbiologie angeborene und erlernte Bewegungsabfolgen, die in einer bestimmten Situation in einer bestimmten, häufig vorhersagbaren Weise, und in gleicher Reihenfolge stattfinden. Die Wiederholung von Verhaltensmustern vermittelt oft ein Gefühl von Sicherheit, kann aber auch zwanghaft sein und eine Verhaltenstherapie erforderlich machen.


In der Evolution haben sich Mensch und Tier an die Umgebung angepasst und weiterentwickelt. Es wurden Merkmale von Generation zu Generation vererbt und auch mutiert. Die frühesten Verhaltensmuster sehe ich im Jagen und Schutz suchen, um zu überleben. Babys von Menschen und Tieren sind in der Regel so niedlich, dass sie das Verhalten auslösen, sie auf den Arm zu nehmen und sich um sie zu kümmern. Durch die Erziehung entstehen Verhaltensmuster, die sich bis ins Erwachsenenalter halten und oft unbewusst ablaufen in bestimmten Situationen. Viele Verhaltensmuster sind auch mit Ritualen oder Gewohnheiten vergleichbar.

 

Dann gibt es Verhaltensmuster, die beigebracht/konditioniert werden, wie es der russische Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow mit seinem Experiment mit Hunden zum Nachweis der klassischen Konditionierung gezeigt hat. Er stellte fest, dass bei Hunden der Speichel floss, sobald sie wussten, es gibt Essen. In seinen Versuchen ließ er die Hunde kurz vor dem Essen einen Glockenton hören. Nach einigen Wiederholungen hatten die Hunde bereits beim Glockenton Speichelfluss, auch wenn es nichts zu essen gab.

 

Das heißt es gibt Verhaltensweisen, die angeboren sind, z. B. das Schreien von Babys, damit ihr Hunger gestillt wird, oder der Adrenalinschub, wenn wir in Gefahr sind und den Drang verspüren wegzurennen. Sie dienen dem Schutz.

Aber es gibt auch Verhaltensweisen, die anerzogen werden. Kinder, die sehr streng erzogen wurden, haben meist gelernt, sich anzupassen, nicht aufzufallen, um Ärger zu vermeiden.

 

Schauen wir uns mal unsere Verhaltensmuster im Alltag an:

  • Wir stehen auf, duschen, essen, gehen zur Arbeit, wohl meistens dasselbe Essen und dieselbe Uhrzeit.
  • Wir erledigen Arbeiten wahrscheinlich immer auf eine bestimmte Art und Weise, reagieren in Stresssituationen immer auf dieselbe Weise mit Ruhe oder Hektik.
  • Beruflich und privat reagieren wir häufig immer auf dieselbe Art und Weise, wenn wir um etwas gebeten werden. Wir sagen immer "ja", immer "nein" oder antworten je nach Situation mal mit "ja" und mal mit "nein".
  • Auch bei unseren Hobbys gibt es Verhaltensmuster. Ein Bergsteiger kontrolliert z. B. immer seine Ausrüstung bevor er auf Tour geht. Wir schwimmen meistens denselben Stil, eine bestimmte Strecke oder Zeit.

In manchen Situationen wissen wir oft gar nicht, warum wir plötzlich traurig, verärgert, wütend, etc. sind oder so heftig reagieren. Oft erinnern uns bestimmte Situationen an Dinge, die wir bereits erlebt haben, und wir haben dieselben Gefühle wie damals. Wir reagieren dadurch immer nach demselben Verhaltensmuster.

 

Verhaltensmuster geben auch Sicherheit. Wenn wir wissen, dass wir selbst oder Menschen, mit denen wir zu tun haben, immer auf dieselbe Weise reagieren, wissen wir immer, woran wir sind und was in einer bestimmten Situation passieren wird. Aber es kommt auch vor, dass jemand dieses Verhaltensmuster benutzt, um zu manipulieren.

 

Wenn wir etwas ändern wollen oder müssen, ist es notwendig, ein Verhaltensmuster zu brechen. Dazu müssen wir zuerst erkennen, dass es überhaupt ein bestimmtes Verhaltensmuster gibt. Uns gedanklich damit beschäftigen, die Situation, eventuell auch unsere Vergangenheit, analysieren und ggf. verarbeiten und abschließen, damit wir in ähnlichen Situationen in Zukunft anders reagieren und eben nicht das Verhaltensmuster mit den meist negativen Gefühlen von damals hervorgerufen wird. Dazu benötigen wir eventuell Hilfe von Dritten.

 

Fazit

Jeder Mensch hat seine eigenen Verhaltensweisen, Erfahrungen, Denkweise, Kultur, Religion, Wertvorstellungen, usw. Manche wollen, wenn sie in Urlaub oder aus beruflichen, privaten oder anderen Gründen in ein anderes Land gehen, alles 1 : 1 mitnehmen. Das ist aber nur begrenzt möglich, es sind Anpassungen und Flexibilität notwendig, um die lokalen Gegebenheiten zu akzeptieren und sich zu integrieren. Dafür müssen beide Seiten aufeinander zugehen und sich mit Respekt und Toleranz begegnen.

 

Was denken Sie über Verhaltensmuster?

Kommentare: 4 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Peter Ehrlich (Montag, 09 November 2015 10:27)

    Hallo Claudia,
    da hast du dir wieder ein heißes Thema ausgesucht. Denn Verhaltensmuster widerspiegeln sich nicht nur im Verhalten einzelner Menschen, sondern auch das Verhalten in der Gesellschaft. Denn die Summe der Verhaltensweisen einzelnen Menschen verkörpert die gesellschaftlichen Verhaltensweisen, das außerhalb und unabhängig des einzelnen Bewusstseins.
    Wie du schon geschrieben hast, sind Verhaltensweisen teilweise angeboren, wie der Essreflex, viele lernen wir im Verlauf unseres Lebens, wie den Angstreflex der uns vor Übermut schützt. Das widerspiegelt sich auch in unserem Handeln und in unseren Entscheidungen. Ältere Menschen sind generell wenig entscheidungsfreudig. Jüngere Menschen sind bedeutender entscheidungsfreudiger, weil die wenigen Lebenserfahrungen nur wenige Verhaltensmuster aufgebaut hat. Dadurch fehlt ihnen oftmals das Verständnis gegenüber dem Verhalten älterer Menschen. Die Jugend würde am Liebsten alles verbessern. Das ist auch erst einmal gut so. Jedoch sollten sie die Bedenken aus den Verhaltensmustern der Älteren abwägen und mit in ihre Vorhaben eingehen lassen. Bestes Beispiel ist die Flüchtlingskrise. Meist ältere Menschen haben bedenken gegenüber dem großen Zustrom von Flüchtlingen, was eine berechtigte Haltung ist. Meist junge Menschen, wollen den Flüchtlingen aus ihrer Misere helfen, diese Haltung ist ebenfalls berechtigt. Gut wäre es, wenn sich diese beiden gesellschaftlichen gemeinsam eine Lösung finden. Leider funktioniert das nicht, weil es ein dritte Gruppe mit dem Verhaltensmuster gibt, Wirtschaftlichkeit um jeden Preis. Die versucht aufgrund ihrer Autorität alles zu bestimmen. Aber auch diese Gruppe ausgeprägter Verhaltensmuster hat eine Berechtigung. Sie sollten aber eine geringere Rolle spielen, da diese nicht vordergründig den Menschen dienen.
    Verhaltensmuster findet man überall. Sie beeinflussen sehr stark unser Handeln. Werden Verhaltensmuster gesellschaftlich polarisiert, kann sogar sozialer Unfrieden entstehen.
    Viele Grüße
    Peter

  • #2

    Claudia (Montag, 09 November 2015 15:08)

    Hallo Peter,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Da hast Du einen wichtigen Aspekt angesprochen, dass die Summe der Verhaltensweisen Einzelner eine gesellschaftliche Verhaltensweise widerspiegelt. Manche Verhaltensweisen werden auch einfach ohne groß nachzudenken übernommen.
    Da gebe ich Dir auch recht, junge und alte Menschen können voneinander lernen und profitieren. Die einen haben die neuen Ideen, die anderen die Erfahrung.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Hans (Dienstag, 10 November 2015 10:01)

    Hallo Claudia,
    wenn unsere Gewohnheiten älter sind, dann kann es natürlich auch sein, dass sie keinen wirklichen Nutzen mehr für uns haben. Die Verhaltensmuster beeinflussen uns aber noch zu einem großen Teil im jetzt.

    Wir fürchten, zu versagen. Wir fürchten uns vor Änderungen. Daher scheint es uns bequemer und sicherer im Gewohnten zu bleiben, obwohl das für die jeweilige Situation nicht ideal ist. Nicht all unsere Gewohnheiten sind schlecht, aber mitunter muss man auch einen Weg aus dem alten Muster finden, um neues zu erfahren und daraus einen Nutzen zu ziehen. Um daraus Lehren zu ziehen.

    Manches Verhaltensmuster gibt uns - wie du sagst - Sicherheit. Aber immer wieder mal, stehen wir vor dem Punkt, besser mal auszubrechen.
    HG Hans

  • #4

    Claudia (Dienstag, 10 November 2015 14:09)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, alte Gewohnheiten sind manchmal auch Verhaltensmuster, wo man mal überlegen sollte, diese zu brechen, wenn sie keinen Sinn mehr machen. Aber wie Du schreibst, haben viele Angst vor Veränderungen, wollen nicht raus aus der Sicherheit bzw. Komfortzone.

    Viele Grüße
    Claudia