Claudias praktischer Ratgeber zu Social Media im Alltag

Social Media im Alltag

Seit mehr als 3 Jahren bin ich in diversen sozialen Netzwerken aktiv. 

Wertschätzung, ein nettes und höfliches Miteinander liegen mir dabei sehr am Herzen. Und seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken, welchen Einfluss Social Media auf unseren Alltag hat. Tatsache ist, dass das Internet und die Digitalisierung unser Leben radikal verändert haben und weiter verändern werden. Im Internet kommunizieren wir, kaufen ein, recherchieren und bilden uns eine Meinung. Immer mehr findet online statt offline statt wie z. B. Online-Shopping, Online-Banking, Webinare, online lesen. Welchen Einfluss hat das auf unser Leben? Ist die Digitalisierung positiv oder negativ, ein Vor- oder Nachteil?

 

Vorab möchte ich mal ein paar Bereiche durchgehen.

 

Die Kommunikation

Wer greift noch zum Telefonhörer? Wahrscheinlich die meisten eher zum Smartphone und dann nicht, um jemanden anzurufen, sondern zu prüfen, ob es neue Nachrichten oder sonstige Neuigkeiten gibt, eine Statusmeldung in einem sozialen Netzwerk zu posten, eine Chat-Nachricht zu senden oder über WhatsApp mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Wenn ich unterwegs bin, sehe ich häufig geistig abwesende Menschen, die eifrig auf ihr Smartphone schauen und tippen. Das geschieht beim Laufen, Fahrrad fahren, an der Bushaltestelle, beim Arzt, im Supermarkt. Das Smartphone ist immer mit dabei und man ist immer erreichbar. Ich habe kein Smartphone und wenn ich wieder zu Hause und erreichbar bin, habe ich mir schon mehrfach anhören müssen, man habe vergeblich angerufen und mich nicht erreicht. Die Menschen sind es offenbar gewohnt, dass jeder immer erreichbar ist.

 

Das Einkaufen

Hand hoch, wer noch nie online eingekauft hat. Ich denke nicht, dass jemand gestreckt hat. Wir recherchieren gerne online, manchmal lassen wir uns auch lokal im Geschäft beraten und recherchieren dann im Internet, wo wir am günstigsten einkaufen können. Nicht ganz fair. Es ist einfach und bequem, mit  nur ein paar Klicks online zu kaufen. Allerdings fehlt vielen bei der Auswahl das haptische Erlebnis. Was muss ein lokales Geschäft bieten, um Kunden  zu gewinnen und zu halten? Zuerst muss es online gefunden werden mit einer eigenen Website, Brancheneinträgen und einem Google My Business Eintrag. Dann muss es sehr guten Kundenservice bieten, sonst bin ich als Kunde schnell lieber im Internet als in der Stadt unterwegs, um zu suchen, was ich will. Viele Geschäfte bieten auch "Click and collect“ an, im Internet bestellen, aber lokal abholen, um die Versandkosten zu sparen. Nur offline kann wohl kein Geschäft überleben. Die sogenannten Buy-Buttons (= Kaufbuttons) findet man bereits auf Pinterest, es wird auch auf Twitter und Facebook damit getestet. Während Online-Shops für die lokalen Geschäfte Konkurrenz sind, machen die sozialen Netzwerke mit den Buy-Buttons den Online-Shops Konkurrenz und versuchen damit, Nutzer länger auf ihrer Seite zu halten. Das bringt uns schon zum nächsten Thema.

 

Retargeting/Remarketing

Wer regelmäßig in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, sieht häufig Anzeigen mit Artikeln, die er/sie sich in Online-Shops angeschaut, aber nicht gekauft hat. Das nennt man Retargeting bzw. Remarketing. Damit sollen potentielle Käufer zurück in den Online-Shop gelotst werden, um vielleicht doch noch etwas zu kaufen. Womit wir gleich beim nächsten Thema sind.

 

Werbung

Egal wo man ist, an jeder Ecke gibt es offline und online Werbung, auf Litfaßsäulen und Plakaten, an Bushaltestellen, in der Zeitung und natürlich im Internet. Auf Websites oder in Blogs werden Anzeigen geschaltet, um die Seite zu finanzieren. Wenn das in dezenter und unauffälliger Weise geschieht, stört es meistens nicht. Aber leider wird auch oft übertrieben und es blitzt und blinkt, lästige Pop-up-Fenster können nicht sofort geschlossen werden. 

Und wenn es zu viel ist, nervt Werbung eben auch, was zur Erfindung von Adblockern geführt hat, wodurch wiederum die Finanzierungsmöglichkeit der Seitenbetreiber in Mitleidenschaft gezogen wird. Über einen Vorteil von Adblockern wird seit einiger Zeit gerne diskutiert. Sie haben nämlich zum Denken angeregt,  (wieder) Werbung mit mehr Inhalt und Mehrwert zu machen, damit sie eben nicht mehr geblockt wird.

 

Das Lesen

Bücher werden mehr und mehr als E-Book gelesen und nicht mehr in Papierform. Auch Zeitungen werden gerne online gelesen. Wir schlagen nicht im Lexikon oder Fachbuch nach, wenn wir etwas wissen wollen, sondern recherchieren in Google, Wikipedia und Co. Und natürlich erwarten wir, dass im Internet alles kostenlos ist, dürfen uns dann aber nicht wundern, wenn die Seiten sich mit Werbung und Anzeigen finanzieren. Und bei Verwendung eines Adblockers muss eventuell ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen werden, um weiterhin werbefrei lesen zu können.

 

Arbeitswelt

Wir stellen unseren Lebenslauf und beruflichen Werdegang z. B. auf XING und LinkedIn ein, gehen dort auf Stellensuche oder bieten Stellen an. Wir diskutieren in den sozialen Netzwerken, Blogs, Gruppen, Communities und Foren und können dort unser Fachwissen zeigen. Es wird mehr mit Homeoffice gearbeitet, Meetings finden häufiger virtuell statt. Personaler googeln nach uns, um sich ein Bild von uns zu machen. Auch unsere Arbeitswelt ist digital geworden.

 

Unsere Kinder

Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt mit Computer, Internet, Mobiltelefon und MP3-Player auf und werden als Digital Natives bezeichnet. Es gibt wohl kaum noch Kinder, die wohlbehütet und von der Außenwelt abgeschirmt aufwachsen. Für Eltern ist es ein wichtiges Thema geworden, dass ihre Kinder sicher im Netz surfen. Nur jedes 3. Kind kennt den Unterschied zwischen Google-Werbung und Suchergebnissen. Hier ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten auf Seiten der Eltern, aber auch der Schule.

 

Die Meinungsbildung

Während wir uns früher in unserem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis unterhalten, diskutiert und eine Meinung gebildet haben, geschieht das heute meist im Internet. Wir verwenden nicht nur die Suchmaschine Google sondern auch die sozialen Netzwerke, in denen wir aktiv sind, um nach etwas zu suchen und uns über etwas zu informieren. Oder wir werden über unsere Freunde und Follower automatisch in unserer Timeline über aktuelle Geschehen informiert. Einige Firmen haben gemerkt, dass Blogger, die ein Produkt testen und darüber schreiben, oder ein Thema in einem Artikel verarbeiten, um es bekannter zu machen, durchaus Einfluss haben, vor allem, wenn sie bekannt sind und eine hohe Reichweite haben. Aber nicht nur Blogger sind Meinungsmacher, Beeinflusser oder Influencer, sondern auch Social Media Experten oder Prominente. Dem aktuellen James Bond Darsteller wurde scherzhaft der Name "James Brand" gegeben, weil er für einige Marken Werbung macht. Wenn wir bedenken, dass wir nur 20 % bewusst kommunizieren und 80 % unbewusst, dann lässt sich erahnen, dass wir sehr viel wahrnehmen und verarbeiten, ohne uns dessen bewusst zu sein. Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft werden auch im Verkauf eingesetzt. D. h., dass wir beeinfluss- und manipulierbar sind.

 

Datenschutz und Urheberrecht

Diese 2 Punkte möchte ich der Vollständigkeit halber noch erwähnen. Jeder muss seine Daten schützen und sich genau überlegen, was er über sich veröffentlicht und wem er seine Daten überlässt. In der Regel wird mit Daten und Informationen über sich "bezahlt", um einen Service kostenlos zu nutzen.

Seitenbetreiber müssen mit den Personendaten, die sie erhalten, sehr sorgfältig umgehen. Es ist nicht alles im Internet kostenlos und zur freien Verfügung verwendbar. Bei der Verwendung von Bildern, Texten, Videos, etc. sollte man sich genau erkundigen, was erlaubt ist und was nicht, um keine Abmahnung zu riskieren wegen Verletzung des Urheberrechts.

 

Fazit

Social Media ist allgegenwärtig in unserem Alltag und hat definitiv einen großen Einfluss auf uns. Es gibt Menschen, die sich kritisch damit auseinandersetzen wie z. B. Katrin Linzbach, die ein Experiment 30 Tage ohne Smartphone gemacht hat, oder Horst Schulte, der die radikale Entscheidung getroffen hat, seine Konten in den sozialen Netzwerken zu löschen. Der diesjährige Werbespot von EDEKA zu Weihnachten spricht ein aktuelles Problem der Digitalisierung an. Wir kommunizieren zu viel digital und zu wenig persönlich. Sitzen wir als Familie nur noch an traditionellen Familienfesten wie Hochzeit, Taufe, Kommunion, Konfirmation oder eben einer Beerdigung zusammen? Was ist unter dem Jahr, an Geburtstagen, Weihnachten und anderen Gelegenheiten? Nur eine digitale Meldung, kein persönlicher Kontakt? Die Idee der Deutschen Bahn, inspiriert durch den EDEKA-Spot, den Opa einfach in den Zug zu setzen, ist doch nicht schlecht oder?

Ich wünsche mir für unsere Kinder, dass sie möglichst lang ohne Technik aufwachsen und den Glauben an Zahnfee, Osterhase, Nikolaus und Weihnachtsmann nicht so schnell verlieren und für uns Erwachsene mehr persönlichen Kontakt, denn sonst bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke, wenn wir uns nicht aufeinander besinnen.

 

Wie beeinflusst Social Media Ihren Alltag?

Kommentare: 8 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hans (Montag, 21 Dezember 2015 08:47)


    Hallo Claudia,
    wieder ein sehr schöner Artikel. Leicht verständlich auf den Punkt gebracht.
    Man stelle sich mal vor, man würde heute oldschool einen Job suchen/anbieten ohne Internet. Undenkbar. Mittlerweile werden immer mehr Onlinebewerbungen verlangt. Die Möglichkeiten, sich als Bewerber vorzubereiten, und sich über den potenziellen Arbeitgeber zu informieren, sind doch auch super. Social Media ist da, zählt fast wie selbstverständlich zu unserem Alltag. Ich kaufe mittlerweile einiges übers Internet, auch, weil das Angebot viel größer ist.
    Eine gute Weihnachtswoche für dich und deine Lieben.
    Lieben Gruß Hans

  • #2

    Ann-Bettina (Montag, 21 Dezember 2015 10:05)

    Hallo Claudia,
    ich halte es für einen echten Fortschritt, dass nicht mehr so viel angerufen wir , sondern lieber SMS oder Ähnliches geschrieben werden. Ein Anruf reißt einen immer aus der laufenden arbeit heraus und man soll sich in Sekundenschnelle auf das Problem des Anrufers einstellen. Da ist mir eine SMS lieber. Die kann ich lesen, wann es bei mir passt und vor der Antwort auch erst einmal in Ruhe nachdenken.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

  • #3

    Claudia (Montag, 21 Dezember 2015 10:20)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde es auch sehr praktisch, mich im Internet bewerben zu können. Das war früher schon sehr viel aufwendiger. Im Internet kaufe ich auch gerne wegen der Auswahl, es macht mir aber trotzdem Spaß, auch mal in die Stadt zu gehen. Wünsche Dir auch eine schöne Weihnachtswoche.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Claudia (Montag, 21 Dezember 2015 10:27)

    Hallo Ann-Bettina,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Da sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Wenn ich z. B. mit Homeoffice arbeite, ist es natürlich angenehmer, eine Nachricht und keinen Anruf zu erhalten. Es ist dann ja meine Entscheidung, wann ich die Nachricht lese und mich damit beschäftige. Aber wenn es um die Kontaktpflege geht, ist es meiner Meinung nach nicht ausreichend, nur Nachrichten zu senden. Die sind zwar schnell gemacht und das schlechte Gewissen dadurch beruhigt, aber der Kontakt wird dadurch nicht wirklich gepflegt. Es gibt natürlich auch Dinge, bei denen eine Nachricht vollkommen ausreicht, um eine Information zu geben, und kein langwieriger Anruf notwendig ist. In solchen Fällen ist mir eine Nachricht auch lieber.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Tina Gallinaro (Montag, 21 Dezember 2015 13:54)

    Hallo Claudia, mittlerweile ist das digitale Zeitalter soweit, das Neujahr-Geburtstags und sonstige Wünsche einfach mal schnell per Newsletter versendet oder per sms einfach eine Beziehung für Null und Nichtig erklärt wird. :-( Das ist die negative Seite des digitalen Lebens, die natürlich sehr viele Vorzüge bietet.
    Man sollte sich wirklich mal zwingen, eine Auszeit von Computer, Tablet, Smartphones und Co. zu machen, damit man mal wieder klar sehen kann :-)
    P.S. Vor knapp zwei Wochen mussten wir unserem Sohn (mittlerweile 10 und nicht mehr so leichtgläubig) die Wahrheit sagen, denn in der Schule hatte man ihn schon fies ausgelacht.. Die Geschichten vom Weihnachtsmann und Nikolaus sowie der Osterhase gehören nun der Vergangenheit an.
    Aber - und soviel Kindheit will ich meinem Sohn noch bewahren: Die Zahnfee, die gibt´s wirklich und legt dann über Nacht immer etwas Kleingeld in die Schachtel, wo vorher der Milchzahn war..
    Man verzeihe mir meine Lüge ;-)
    LG Tina


  • #6

    Claudia (Montag, 21 Dezember 2015 13:59)

    Hallo Tina,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, das digitale Zeitalter hat Vor- und Nachteile. Für manche Nachrichten ist ein Newsletter oder eine SMS eben nicht angebracht. Kinder können grausam sein, ich finde den Glauben an Weihnachtsmann, etc. schön, aber irgendwann kommt halt die Zeit, wo die Wahrheit rauskommt.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #7

    Peter Ehrlich (Dienstag, 22 Dezember 2015 08:36)

    Hallo Claudia,

    ein guter Artikel, der offensichtlich ein "Lebensraum" vieler ist. Oder etwa nicht? Was Du beschrieben hast, ist eine der heutigen Lebensarten. Dabei bemerken die wenigsten, wie gefährlich das ist. Schließlich gibt man sich als Individuum auf und unterwirft sich der Technik und dem Mainstream. Matrix lässt grüßen. Na gut das mag noch etwas übertrieben sein. Aber der Trend ist unverkennbar. Mich hat also Sozial Media nicht in Besitz genommen. Dafür habe ich drei Grundsätze:

    1.) Sofortismus schadet meinem Geschäft als Online Reisebüro. Meine Reisekunden wollen etwas erleben und nicht bloß sagen ich war da!
    2.) Ich tausche mich gerne im Sozial Media über die verschiedensten Gedanken aus. Tacheles reden tue ich nur im richtigen Leben und nur Menschen gegenüber, die mir zuhören und denen ich zuhöre. Im Internet werden Informationen nur gescannt!?
    3.) Ich leiste mir den Luxus, nicht erreichbar zu sein. Reisekunden, die sich auf einer komplizierten Reise etwas unsicher fühlen, bekommen meine Handynummer und dürfen mich 24 Stunden am Tag anrufen. Habe ich bisher nur zweimal machen müssen. Einmal erhielt ich eine SMS: Alles ok! Diese Nummer wird nicht durch Belangloses missbraucht.

    Auch wenn ich kein Vollblutsozialmedianer bin, finde ich Sozial Media toll und würde etwas vermissen, wenn es dieses Medium nicht gäbe.
    Nur noch einmal kurz zurück zu meinem Matrix-Trend. Den Film haben sicherlich viele gesehen. Viele hängen aber heute schon im Sozial Media, wie an einer Matrix. Ich frage mich dann immer, was läuft im wirklichen Leben schief, das man in eine virtuelle sofortistische Welt abtauchen muss?
    Viele Grüße aus Dresden
    Peter

  • #8

    Claudia (Dienstag, 22 Dezember 2015 22:30)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Es gefällt mir, dass bei Dir immer alles gut durchdacht und fundiert ist. Ich versuche auch, die Vorteile der sozialen Medien zu nutzen, aber trotzdem im Hier und Jetzt zu leben und dazu gehört auch, mal offline zu sein.

    Viele Grüße
    Claudia