Claudias praktischer Ratgeber zur Digitalisierung

Kinder und die Digitalisierung

Auch Kinder besitzen schon Smartphones
Die Technik im Vergleich früher und heute

Wenn ein Kind vom Kindergarten in die Schule wechselt, werden emotionale, soziale, motorische, sprachliche und kognitive Fähigkeiten erwartet.

 

In der Grundschule wird teilweise schon mit Antolin gearbeitet, einem Online-Portal zur Leseförderung von der 1. bis zur 10. Klasse.

 

Ab der 5. Klasse besitzen viele Schüler bereits ein Smartphone und WhatsApp wird verwendet, um Nachrichten zu senden. Lehrer teilen auf diese Weise mit, wenn eine Unterrichtsstunde ausfällt, Schüler fragen bei einem Mitschüler nach, welche Hausaufgaben zu erledigen sind, wenn vergessen wurde, was zu tun ist.

 

Welche Unterrichtsmethode die beste ist, wird immer wieder diskutiert. Nach der VARK-Theorie gibt es 5 Lerntypen:

  1. Visuelles lernen (visual),
  2. auditives lernen (auditory),
  3. lesen/schreiben (reading/writing),
  4. kinästhetisches lernen (kinesthetic),
  5. multimodal (eine Kombination der o. g. Typen).

Mittlerweile gibt es audiodigitale Lernsysteme, Lerncomputer für Kinder und E-Learning (electronic learning = elektronisch unterstütztes Lernen). Ob es elektronisch einfacher, schneller und besser ist, zu lernen, hängt von vielen Faktoren ab. Fest steht für mich, wenn es weniger Schüler pro Klasse gäbe, könnte besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingegangen werden.

 

Ich frage mich bei all der Technik, wann, wo und wie sollen Kinder lernen, sich etwas zu merken, sich ganz normal zu verabreden, zu informieren, zu kommunizieren, zu planen, zu organisieren? Es ist sicher sinnvoll, wenn Kinder schon früh den Umgang mit technischen Geräten lernen, mit einem Computer vertraut sind, da es kaum noch Berufe gibt, wo nicht irgendwann etwas digital gemacht werden muss. Aber ich sehe auch die negative Kehrseite der Digitalisierung, weil das Zwischenmenschliche oft zu kurz kommt.

 

Spezielle Seiten, wo Kinder im Internet sicher surfen können, sind nur eine Übergangslösung. Ein sicheres Internet ist wünschenswert, aber illusorisch, deshalb ist Aufklärung gerade bei Kindern notwendig.

 

Die Geschichte des trojanischen Pferds kennt wahrscheinlich jeder. 10 Jahre lang kämpften die Griechen im Trojanischen Krieg erfolglos um die Mauern von Troja bis man auf die Idee kam, das trojanische Pferd aus Holz zu bauen. Im Bauch versteckten sich griechische Soldaten und die Armee täuschte einen Abzug vor. Den Trojanern erklärte man, das Pferd sei ein Weihgeschenk an die Göttin Athene. Die Trojaner zogen das Pferd in die Stadt und stellten es vor den Tempel der Göttin Athene. In der Nacht stiegen die griechischen Soldaten aus dem Pferd, öffneten die Stadttore für ihre zurückgekehrten Soldaten und zerstörten die Stadt Troja.

 

Metaphorisch gesehen ist ein "trojanisches Pferd" etwas, das harmlos aussieht, aber eine Gefahr in sich birgt. In der EDV ist das Trojanische Pferd ein Begriff für eine Malware (Schadprogramm), ein Computerprogramm, das schädliche, nicht erwünschte Funktionen ausführt. Ein guter Virenschutz erkennt und blockt das.

 

Beim Runterladen von Programmen, Spielen, usw. passiert es häufig, dass unerwünscht z. B. eine neue Toolbar, neue Suchmaschine, die dann auch gleich die neue Startseite ist, mit installiert wird. Meistens ist es möglich, benutzerdefiniert runterzuladen, um selbst zu entscheiden, was installiert wird und was nicht. Virengeprüfte Downloadmöglichkeiten sind vorzuziehen.

 

Im Internet ist alles schön "verpackt", lädt zum Klicken ein. Laut einer britischen Studie kennt die Mehrheit der Teenager den Unterschied zwischen Werbung und Suchergebnissen nicht. Mit der Werbung verhält es sich ähnlich wie mit dem trojanischen Pferd. Sie wird oft als solche nicht erkannt, obwohl Werbung mittlerweile mit dem Begriff "Werbung" oder "Anzeige" versehen werden muss, weil es sich sonst um verbotene Schleichwerbung handelt. Ein Beispiel ist das Product Placement, bei dem Produkte in den Medien platziert werden

 

Aber das Internet hat nicht nur eine technische Seite, sondern auch eine menschliche und da gibt es 4 Punkte, die im Netz wichtig sind:

 

Wertschätzung

Online und offline ist gutes Benehmen wichtig. Im Internet nennt man das die Netiquette (ein Kofferwort aus englisch net = Netz und französisch étiquette = Etikette). Aber im richtigen und virtuellen Leben gibt es natürlich Störenfriede. Ein Troll ist ursprünglich ein nicht-menschliches Fabelwesen. Im Internet ist es ein Mensch, der die Kommunikation z. B. durch Provokationen stört. Wichtig ist, sein Gegenüber zu respektieren, höflich und freundlich zu sein, auch bei Kritik sachlich zu bleiben.

 

Privatsphäre

Die Privatsphäre ist ein nicht öffentlicher Bereich zur freien Entfaltung der Persönlichkeit. Das Recht auf Privatsphäre ist ein Menschenrecht. Einschränkungen gibt es bei öffentlichem Interesse an einer Person oder bei der Strafverfolgung. Es ist wichtig, seine eigene Privatsphäre zu schützen und die Privatsphäre anderer zu respektieren.

 

Datenschutz

Der Datenschutz ist der Schutz vor Missbrauch von Daten, des Persönlichkeitsrechts und der Privatsphäre bei der Datenverarbeitung. Zum Persönlichkeitsrecht gehört auch das Recht am eigenen Bild, d. h. dass jeder selbst bestimmen darf, ob Bilder über ihn veröffentlicht werden. Wer Bilder von Kindern im Internet veröffentlichen darf und ob das gut oder schlecht ist, wird immer wieder diskutiert. Es ist wichtig, die eigenen Daten zu schützen und mit fremden Daten sorgfältig umzugehen. Ein Beispiel: Mit einem Foto & Grafik Designer kann mit dem Effekt "verwischen" ein Gesicht auf einem Bild unkenntlich gemacht werden. Noch ein Beispiel: Über Snapchat können Bilder mit begrenzter Verfügbarkeit beim Empfänger versendet werden. Es ist jedoch möglich, versendete Dateien wiederzufinden und wiederherzustellen. Die einfachste Methode, ein Bild vor dem Verschwinden zu speichern ist, einen Screenshot zu machen. Deshalb ist es so wichtig, darauf zu achten, welche Daten man im Internet teilt, weil man nie weiß, wer diese speichert, so dass sie trotzdem noch vorhanden sind, auch wenn man sie selbst gelöscht hat. Und jeder, der Suchmaschinen und kostenlose Online-Dienste nutzt, muss sich darüber im klaren sein, dass immer mit den eigenen Daten bezahlt wird. Noch ein Tipp, für jeden Browser gibt es eigene Sicherheitseinstellungen, die man sich mal anschauen und einstellen sollte. Am 28.01. war übrigens der europäische Datenschutztag. Wer hat denn schon mal seinen Google Suchverlauf gelöscht?

 

Urheberrecht

Das Urheberrecht ist das Recht auf Schutz des geistigen Eigentums und regelt die Verwendung und Übertragung von geistigem Eigentum durch bzw. auf andere. Es gilt online und offline, den Urheber, Autor, Eigentümer, etc. von Bildern, Texten, Musik, etc. zu respektieren. Vor der Verwendung müssen die Urheberrechte überprüft und der Urheber muss genannt genannt werden. Bei Fotos hat er das Recht am Bild. Hier ist noch ein interessanter Rechtsfall betreffend Urheberrecht und einer Schule.

 

Fazit

Jeder ist selbst verantwortlich, seine Privatsphäre und seine Daten zu schützen und gegenüber Dritten dieselbe Sorgfalt anzuwenden. Bei Kindern sind die Eltern dafür verantwortlich. Wer heute nicht den Anschluss verpassen will, muss sich mit der Digitalisierung beschäftigen. Was sich technisch in nicht mal 2 Jahrhunderten getan hat, ist einfach beeindruckend. Wie sich die sozialen Netzwerke in nicht mal 2 Jahrzehnten entwickelt haben, ist bemerkenswert. Die technischen Möglichkeiten sind erstaunlich und noch lange nicht ausgeschöpft. Die Digitalisierung hat ihre Vor- und Nachteile. Im Internet ist es erforderlich, aufmerksam, vorsichtig und verantwortungsbewusst zu sein. Das Wichtigste, was man seinen Kindern geben kann, ist Zeit und Aufmerksamkeit, Vorbild zu sein für die Werte, die man vermitteln möchte. Für mich ist wichtig, dass der Mensch als Mensch dabei nicht verloren geht und Wert gelegt wird auf die emotionale und soziale Kompetenz.

 

Wie sehen Sie die Digitalisierung?

 

Hier 3 Leseempfehlungen zum Thema von Dr. Christoph Schmitt 

Nachfolgend eine Präsentation zum Thema.

Kommentare: 10 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hans (Montag, 01 Februar 2016 07:52)


    Hallo Claudia,
    wieder ein sehr interessanter und informativer Beitrag.
    Ich gestehe, dass ich es manchmal bedenklich finde, wie selbstverständlich Jugendliche und Kinder das "online sein" in ihrem Leben verankert haben. Ich kann das aber nicht mit "früher" vergleichen. Wer weiß, wie wir gehandelt hätten, wenn es zu der Zeit schon technisch machbar gewesen wäre. Die Digitalisierung hat viele positive Seiten, aber man muss die Münze eben auch umdrehen, wie du sagst. Heute bekommen Schüler Informationen über schuleigene Plattformen im Internet. Schon Wahnsinn.
    Eine gute Woche
    LG Hans

  • #2

    Peter Ehrlich (Montag, 01 Februar 2016 08:04)

    Hallo Claudia,

    wie immer hast Du Dir ein, heute sind es gleich mehrere Themen ausgewählt, über die Du geschrieben hast. Das Kernproblem ist die Ausbildung an unseren Schulen. Der reine Frontalunterricht, der in Deutschland noch praktiziert wird, ist veraltet. Wie viele Kinder und jugendliche Fragen sich, warum sie lernen sollen?

    In der Regel pauken Schüler für ihre Zensuren, das heißt für eine Einstufung, wie gut sie auswendig gelernt haben. Was fehlt, ist die Entwicklung zum kreativ Denken. Pauken muss sein. Schließlich bekommt man das Grundwissen, wie Lesen, Schreiben und das Wissen über Naturgesetze nicht mit der Muttermilch.

    Aus diesem Grund denke ich, eine Digitalisierung des Schulunterrichtes neben der bisherigen Methode ist unabdingbar notwendig. Gerade für den kreativen Teil des Lernens ist das wichtig. Früher verwendete man einen Taschenrechner, heute könnte man Spezialprogramme auf dem Computer verwenden. Man muss lernen, wie Daten gespeichert und archiviert werden können. Wichtig ist auch im Internet recherchieren zu lernen. Mit anderen Worten, Schüler müssen darin unterrichtet werden, wie sie ihre kreativen Projekte realisieren können.

    Viele Grüße
    Peter

  • #3

    Claudia (Montag, 01 Februar 2016 13:52)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Richtig, für Jugendliche ist es selbstverständlich, "online" zu sein und mit früher kann man das nicht vergleichen, weil wir die Möglichkeit nicht hatten. Ich bin auch ohne diese ganze Technik aufgewachsen, verwende sie jetzt aber teilweise doch.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Claudia (Montag, 01 Februar 2016 13:56)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Da hast Du ein Kernproblem unserer Schulen angesprochen, dass die Schüler sich fragen, wozu sie das alles lernen. Kinder sind kreativ, nur wird es ihnen oft "weg erzogen". Da stimme ich Dir zu, auch in den Schulen kann die Digitalisierung sinnvoll genutzt werden.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Vanderelbe (Montag, 01 Februar 2016 14:03)

    Prima Artikel Claudia.
    Wie du auch schon zu sagen scheinst, man muss mit offenen Augen durchs Netz wandeln und die Kindern aufklären und ggf. schützen.
    Eines steht aber fest - der digitale Wandel ist nicht aufzuhalten.

    Viele Grüße

  • #6

    Claudia (Montag, 01 Februar 2016 18:13)

    Hallo Stefan,

    danke für Deinen Kommentar. Stimmt, man muss aufmerksam sein im Netz und Kinder aufklären und schützen. Das ist richtig, der digitale Wandel lässt sich nicht aufhalten.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #7

    Karin (Dienstag, 16 Februar 2016 12:12)

    Ein spannendes, wie auch wichtiges Thema. Ich glaube richtig abschätzen kann die Auswirkung der Digitalisierung der Kinder niemand.
    Ich selber denke mir, dass die Menge es macht. Ein verteufeln bringt hier nicht. Lieber einen sinnvollen und bewussten Umgang mit den Medien fördern. Und hier sind die Eltern gefragt.
    lg
    karin

  • #8

    Claudia (Dienstag, 16 Februar 2016 15:08)

    Hallo Karin,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Stimmt, was die Digitalisierung noch alles mit sich bringt, ist schwierig abzuschätzen. Sie hat wie alles im Leben ihre Vor- und Nachteile und da sind wir uns einig, dass die Eltern gefragt sind, den bewussten Umgang mit den Medien zu fördern.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #9

    Stephan 黒 [portrait-foto-kunst.de] (Montag, 22 Februar 2016 17:13)

    Hallo Claudia,

    schöner Artikel, die Slide-Show-Präsentation hat mir auch gut gefallen.

    Das jeder selbst verantwortlich ist seine Privatsphäre Daten zu schütze ist wohl eine der traurigen Wahrheiten unserer modernen Zeit.
    Oft habe ich den Eindruck das man vor Werbung (verdeckter wie auch sehr offensiver) beim surfen wirklich fast schon ertrinkt.
    Gut, ich beschäftige mich mit dem Thema etwas ausführlicher.
    Vielen "Laien" (sprich der "Otto-Normal-Surfer") fällt es vielleicht gar nicht auf wann Productplacements oder Werbung vorkommen.
    Wie soll denn da ein Kind durchblicken?
    Deine 4 Punkte finde ich genau den richtigen Hinweise sich etwas zu besinnen was wirklich wichtig ist.

    Beste Grüße
    Stephan

  • #10

    Claudia (Montag, 22 Februar 2016 18:47)

    Hallo Stephan,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist ja nicht nur bei der Privatsphäre so, dass jeder selbst verantwortlich ist. Wer sich so wie Du und ich näher mit Werbung beschäftigt, merkt natürlich, wie viel Werbung es überall gibt. Die Product Placements sind ein gutes Beispiel, weil die bestimmt nicht jedem auffallen. Freut mich besonders, dass Dir die Slideshow gefällt, da sie doch recht zeitintensiv war.

    Viele Grüße
    Claudia