Claudias praktischer Ratgeber zur Zeit offline 

Wie viel Zeit bleibt offline?

Uns rennt die Zeit davon
Die Zeit läuft wie in einer Sanduhr

Manche sind wahre Meister der Prokrastination oder Delegation, verschieben alles auf morgen oder delegieren einfach, verschaffen sich so Freiraum und Zeit. Andere haben das Gefühl, dass ihnen die Zeit zwischen den Fingern verrinnt ähnlich wie der Sand in einer Sanduhr, der Tag einfach nicht genügend Stunden hat. Alle haben eins gemeinsam, nämlich einen Tag mit 24 Stunden. Wie beruflich und privat die Prioritäten gesetzt werden, wofür wie viel  Zeit eingeplant wird oder nicht, ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

Und wer in Rente geht, hat ein ganz anderes Problem, was er plötzlich mit seiner Zeit anfangen soll.

 

Schauen wir kurz zurück, wie es früher war:

  • Während in der Anfangszeit des Telefons nur selten und in wichtigen Fällen telefoniert wurde, ist man heute mit Smartphone rund um die Uhr 24 Stunden erreichbar.
  • Während ein Brief früher je nach Absender- und Empfängerland tage- oder sogar wochenlang unterwegs war, wird eine E-Mail heute in sekundenschnelle zugestellt.
  • Während es früher nur zu bestimmten Zeiten Fernsehprogramm gab, der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an das Testbild, gibt es heute fast pausenlos irgendwo Programm. Kinder können schon vor 6.00 morgens Sendungen anschauen bis zum Abend.
  • Während man früher telefonisch oder persönlich Kontakt aufnehmen musste, um zu wissen, wie es jemandem geht und was er so macht, genügt heute oft ein Blick in die sozialen Netzwerke, um zu erfahren, wo sich jemand aufhält und was er so treibt.

Fest steht, wir verbringen heute sehr viel mehr Zeit online als offline und das betrifft auch unsere Kinder.

Auf XING Klartext wird deshalb kontrovers darüber diskutiert, ob es ab der 1. Klasse das Fach Medienerziehung geben müsste oder Kinder bis zum 12. Lebensjahr von Computern ferngehalten werden sollten. Zum Thema Kinder und die Digitalisierung denke ich, dass Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind, Vorbild sein müssen und Aufklärung notwendig ist über Wertschätzung, Privatsphäre, Datenschutz und Urheberrecht, um aufmerksam, vorsichtig und verantwortungsbewusst im Internet zu surfen.

 

Durch den technischen Fortschritt ist beruflich und privat vieles einfacher. Man denke nur an Wasch- oder Spülmaschine, Computer und Maschinen, durch die viele Arbeiten schneller und einfacher erledigt werden können. Es ist doch paradox, obwohl wir heute in der Regel weniger arbeiten als früher und mehr Freizeit haben, klagen wir über Zeitmangel und Stress. Ist die Digitalisierung unseres Lebens so weit fortgeschritten, dass die Zeitersparnis ins Negative umgeschlagen ist? Warum fühlen sich viele unter Druck gesetzt und überfordert? Ist die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben durch die ständige Erreichbarkeit per E-Mail, Smartphone und Co. so sehr verwischt, dass wir nicht mehr richtig abschalten und entspannen können?

 

Social Media im Alltag ist so allgegenwärtig, dass es für die meisten selbstverständlich ist, berufliche und private Kontakte über soziale Netzwerke zu pflegen. Während Werbung früher "greifbar" war in Zeitschriften, im Fernsehen, auf Plakaten, usw., begegnet sie uns heute digital überall im Internet, auch in den sozialen Netzwerken, und ist oft nicht als Werbung erkennbar. Wem die viele Werbung zu viel ist, verwendet einen Adblocker. Im Internet gibt es eine Flut an Informationen, die wir gar nicht aufnehmen können. In Sekundenschnelle werden Entscheidungen getroffen, auf welchen Link oder welche Anzeige wir klicken, um mehr zu erfahren. Wir werden konstant in irgendeiner Form berieselt.

 

Überall lesen wir, wie wir Zeit sparen können, erhalten Tipps zur Steigerung unserer Produktivität, für effektives Zeitmanagement oder Informationen über Tools zur Arbeitserleichterung.

 

Ivan Blatter ist Personal Trainer für Zeitmanagement und bietet regelmäßig Webinare an. In der Auswertung seiner Blogparade Welches sind Ihre drei wichtigsten und/oder liebsten Tools, um produktiver zu arbeiten? (der Link funktioniert leider nicht mehr) gibt es zahlreiche Tipps und Tools der Teilnehmer zur Steigerung der Produktivität bei der Arbeit. Hier ist mein Beitrag.

 

In der Auswertung der Blogparade Die Top-Online-Tools der Zielbar-Gemeinde #toolparade von Dani Schenker bei Zielbar sind zahlreiche Tipps und Tools gelistet, um online die Arbeit zu erleichtern.

 

Mittlerweile gibt es sogar Apps, um bewusst offline zu gehen. Es scheint so, als ob das Problem, das uns die Technik und Digitalisierung eingebrockt hat, mit einer neuen Technik ausgelöffelt bzw. gelöst werden soll. Warum lassen wir uns so leicht ablenken, lesen eingehende E-Mails, Nachrichten, Statusmeldungen, etc. immer sofort? Woher kommt die Angst, etwas zu verpassen und deshalb immer online zu sein? Sind wir nicht in der Lage, selbst zu entscheiden, wann und wie oft wir online und offline sind, um eine gesunde Balance zu finden? Sind wir schon so weit, dass Digital Detox (digitale Entgiftung) ein Thema bei uns ist? Ich finde, es sollte ein Thema sein, weil sich noch zu wenig Menschen Gedanken machen über die Folgen der Digitalisierung und ständigen Erreichbarkeit.

 

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, Geräte und Tools, online und offline Zeit zu sparen und seine Zeit effizient(er) zu nutzen. Fest steht, wir brauchen Zeiten, in denen wir komplett offline sind, um abzuschalten und zu entspannen. Eine gesunde Work-Life-Balance besteht nicht nur aus einem Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben, sondern auch aus einem Gleichgewicht zwischen der Online- und der Offline-Zeit. Jeder muss für sich definieren, wie seine eigene Work-Life-Balance in Einklang gebracht werden kann mit einem gesunden Leben.

 

Wie wichtig ist Zeit offline für Sie? 

Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Benjamin Brückner (Montag, 29 Februar 2016 11:33)

    Hallo Claudia,

    auch wenn ich ein Kind der späten 80er bin, war die Technik immer ein ganz normaler Bestandteil meiner Umwelt. Allerdings habe ich so den rasanten Sprung hin zur Dauervernetzung auch bewusst mitbekommen. Das Surren und Ächzen des 56k Modems, die langen Ladezeiten von Webseiten usw.

    Es ist erfreulich, dass wir jetzt schnelleres Internet und soziale Netzwerke haben, aber sie dürfen uns eben auch nicht beherrschen. In diesem Sinne bedanke ich mich für die Verlinkung zu meinem Detox-Beitrag.

    Und ja, ich glaube, wir lassen uns tatsächlich leicht ablenken, weil wir Menschen stark auf Bilder und Farben reagieren. Da gibt es ja eine Vielzahl von Studien dazu.

    Liebe Grüße
    Benjamin

  • #2

    Claudia (Montag, 29 Februar 2016 13:06)

    Hallo Benjamin,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich bin ohne Technik aufgewachsen, habe die Entwicklung vielleicht noch krasser erlebt als Du. Da stimme ich Dir voll und ganz zu, dass ein schnelles Internet und die ganzen Möglichkeiten, die es bietet, erfreulich sind, man sich aber nicht beherrschen lassen darf. Dein Artikel über Digital Detox passt perfekt zum Thema, deshalb habe ich gerne verlinkt.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Hans (Dienstag, 01 März 2016 12:17)


    Hallo Claudia,

    bei allen Tücken, die Online-Technik schon mal mit sich bringen mag, ;-) weiß ich das Online sein und das Internet sehr zu schätzen. Ich weiß aber auch, wie wichtig mir Offlinezeiten sind. Ich hab kein Problem mal den PC und das Smartphone unbeachtet zu lassen. Vielleicht liegt es ja in der Tat daran, dass wir ohne PC und Internet groß wurden. Ich hab zwei junge Menschen (18+19) im Umfeld und für beide ist es nicht vorstellbar, mal einen Tag völlig offline zu bleiben.

    Ich like meine Freunde auch sehr gerne. Nur, ich nehme sie dafür in den Arm und drück sie.

    Lieben Gruß
    Hans

  • #4

    Claudia (Dienstag, 01 März 2016 14:46)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und dass Du trotz der technischen Schwierigkeiten nicht gleich aufgegeben hast. Ich sehe das wie Du, schätze das Internet und seine Möglichkeiten sehr, bin aber auch gerne offline. Wie Du Deine Freunde likst, macht Dich besonders sympathisch.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Carsten Seiffert, StärkenTraining (Mittwoch, 09 März 2016 14:06)

    :-) ein toller Beitrag. Ich habe mir übrigens vor kurzem eine Facebook-Zwangspause verordnet. Insbesondere mit diesem Medium war ich definitiv zu viel online. Und was soll ich sagen? ... nach ein paar Wochen der Abstinenz denke ich nicht mal mehr an FB. Statt dessen bin ich jetzt ständig auf Xing online. Hm, ich merke gerade, dass da irgendwas nicht richtig gelaufen ist ...

  • #6

    Claudia Dieterle (Mittwoch, 09 März 2016 14:13)

    Hallo Herr Seiffert,

    vielen Dank für den Kommentar. Eine Pause von den sozialen Netzwerken finde ich immer eine gute Idee. Wenn das Ergebnis eine Neuorientierung ist, ist das auch gut. Wenn XING für Sie mehr "bringt" als Facebook, hat sich die Pause doch schon gelohnt.

    Viele Grüße
    Claudia Dieterle