Claudias praktischer Ratgeber zur Finanzierung des Internets

Wie finanziert sich das Internet?

Wer ist bereit, im Internet für etwas zu zahlen?
Wie finanziert sich das Internet?

Wohl jeder von uns ist fast täglich mehrmals im Internet unterwegs. Durch das Smartphone wird es uns einfach gemacht, immer online und erreichbar zu sein. Wir nutzen das Internet, um beruflich und/oder privat Kontakte zu pflegen, einzukaufen oder zu verkaufen.

 

Im Internet gibt es 2 vorherrschende Meinungen:

  • Alles ist kostenlos.
  • Werbung ist nervig.

Bei der Suche nach einer Antwort, wie sich das Internet finanziert findet man nicht viel:

Halten wir fest, die Firmen, die Webserver aufstellen, verdienen durch die monatlichen Gebühren, die die Nutzer zahlen. Bei Schülern, Studenten, Arbeitnehmern zahlt die Schule, Universität, der Arbeitgeber den Internetzugang, für diese ist das Surfen deshalb kostenlos.

 

Woher kommt dann die Meinung, dass es kostenlos ist? Wenn wir uns im Internet anmelden, denken wir nicht an die monatlichen Gebühren, wir surfen vermeintlich kostenlos

  • suchen in Google,
  • shoppen online,
  • machen Online-Banking,
  • laden E-Books, Bilder, Videos, Tools, usw. herunter,
  • legen Profile in sozialen Netzwerken an,
  • erstellen Einträge in Online-Branchenverzeichnissen,
  • erstellen eine Website oder einen Blog.

Manche „vergessen“ bei Bildern und Videos gerne mal das Urheberrecht und verwenden sie einfach für eigene Zwecke.

 

Bei Profilen in sozialen Netzwerken, Website, Blog oder Tools gibt es oft eine kostenlose Basisversion und eine kostenpflichtige Premiumversion mit mehr Funktionen. Mit der kostenlosen Version wird man erst mal an Bord geholt in der Hoffnung, dass die vorhandenen Funktionen irgendwann nicht mehr reichen und ein kostenpflichtiges Upgrade gemacht wird.

 

Aber selbst wenn jemand die Kosten für die Nutzung des Internets für uns zahlt, sind wir trotzdem nicht wirklich kostenlos unterwegs. Denn immer, wenn wir etwas downloaden wollen, wird zumindest nach unserer E-Mail-Adresse gefragt, oft auch nach unserem Namen, manchmal wird sogar nach unserem Arbeitgeber, unserer Position und der Anzahl der Mitarbeiter gefragt. Wenn wir online einkaufen, müssen wir unsere komplette Adresse, unser Geburtsdatum und Bankdaten für die Bezahlung angeben. Wir zahlen virtuell mit unseren Daten. Der Preis dafür ist, dass wir unter Umständen ungewollt einen Newsletter und Werbung erhalten. Je mehr wir im Internet unterwegs sind, desto mehr Daten bzw. Spuren hinterlassen wir, mit denen ein Nutzerprofil erstellt werden kann. Das Internet weiß ganz genau, wo unsere Interessen liegen und kann uns so ganz gezielt Werbung anzeigen, die unseren Vorlieben entspricht.

 

Menschen, die ihre Privatsphäre und Daten schützen wollen, sind deshalb dazu übergegangen, alternative Suchmaschinen zu Google zu verwenden.

 

Aber zurück zum Thema Werbung. Überall im Internet stoßen wir auf Werbung. Oft werden wir sofort nach dem Öffnen einer Website oder eines Blogs regelrecht von ihr überfallen. Der Blogartikel kann noch nicht mal zu Ende gelesen werden und schon sollen wir uns zu einem Newsletter oder Webinar anmelden oder etwas kaufen. Das hat dazu geführt, dass viele einen Adblocker installieren. Aber was passiert dann? Viele Seiten finanzieren sich über Werbung. Entweder müssen sie dichtmachen, weil die Kosten der Website nicht mehr über die Werbung gedeckt werden, oder sie gehen wie diverse Zeitungen den Weg, die Seite kostenpflichtig zu machen, wenn jemand den Adblocker nicht abschaltet. Hier ein Bericht zum Thema.

 

Spätestens, wenn man sich die Dokumentation im ZDF Weltmacht Google angeschaut hat, weiß man wie mächtig Google ist und wie viele Daten über uns gesammelt werden durch die zahlreichen Produkte und Dienste, die Google anbietet. Wer ein oder mehrere Google-Produkte nutzt, kann einfach mal einen Versuch machen, ein- und ausgeloggt nach etwas zu suchen und die unterschiedlichen Suchergebnisse vergleichen.

 

Wie passt das zusammen?

  • Wir wollen alles kostenlos.
  • Wir wollen keine Werbung.
  • Wir wollen möglichst wenige Daten von uns weitergeben.

Bricht das System nicht zusammen, wenn alle nur kostenlose Angebote, Adblocker und alternative Suchmaschinen zu Google verwenden?

 

Vor Jahren habe ich mal eine Geschichte gehört, die sinngemäß ungefähr so ging. Ein reicher Mann schenkte einem Bettler einen Mantel. Nach ein paar Jahren traf er ihn wieder und fragte nach dem Mantel. Der Bettler antwortete, er habe ihn wegwerfen müssen, weil er kaputt gegangen sei. Daraufhin verkaufte der reiche Mann dem Bettler einen Mantel für einen symbolischen Wert von 1,00 USD. Nach ein paar Jahren traf der reiche Mann den Bettler wieder, der den verkauften Mantel immer noch trug. Was will uns die Geschichte sagen? Haben wir keine Wertschätzung für etwas, das kostenlos war? Achten wir nur auf Dinge, die wir bezahlt haben?

 

Fest steht, dass es auf die Dauer nicht alles kostenlos geben kann. Wenn man dieser Umfrage glauben darf, sind die Nutzer bereit, für hochwertigen Inhalt zu zahlen.

 

Das von Katharina Lewald erwähnte Beispiel Ein unverschämtes Angebot, oder: Warum gute Texte Geld kosten müssen ist nur eins von vielen, das die dreiste Erwartungshaltung beim Einholen eines Angebots und die Geringschätzung für die Arbeit anderer zeigt.

 

Machen wir einen kurzen Exkurs zum Online-Shopping. Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass wir als Neukunden heftig umworben werden. Für die Anmeldung zum Newsletter gibt es einen Rabatt bei der ersten Bestellung. Vom Newsletter abmelden und neu anmelden bringt mittlerweile gar nichts mehr, um erneut in den Genuss eines Rabatts zu gelangen. Wird vom System erkannt, dass wir kein neuer Abonnent sind. Bei der ersten Bestellung erhalten wir ein Gratisgeschenk oder einen Gutschein für die nächste Bestellung. Stammkunden werden viel zu oft vernachlässigt, anstatt sich ein Treueprogramm für sie auszudenken, um sie für ihre Loyalität zu belohnen. Wen wundert es da, dass Markentreue keine Selbstverständlichkeit mehr ist auf der Jagd nach dem günstigsten Angebot. Es gibt Gutscheinportale, wo viele vor der Bestellung nachschauen, ob sie das Gewünschte günstiger erhalten. Manch einer bestellt ohne Gutschein gar nichts mehr. Der Slogan von Saturn „Geiz ist geil“ spiegelt treffend die Mentalität im Internet wieder.

 

Kostenlose Angebote und Gutscheine haben definitiv einen großen Einfluss auf uns. Sie verändern unser Kaufverhalten und unsere Bereitschaft, für etwas zu zahlen. 

 

Geht es uns so schlecht, dass wir möglichst viel kostenlos oder so günstig wie möglich haben möchten? Oder geht es uns so gut, dass wir keine Wertschätzung mehr dafür haben, dass bei allem, was wir kostenlos oder günstig erhalten, ein Mensch Arbeit und Zeit investiert hat?

 

Resümieren wir mal:

  • Wir laden Musik im Internet herunter statt uns ein Album zu kaufen.
  • Wir laden ein E-Book im Internet runter statt uns ein Buch zu kaufen.
  • Wir lesen und informieren uns online statt Zeitungen und Bücher zu kaufen.
  • Wir besuchen online Kurse statt an eine Schule, Universität, usw. zu gehen.
  • Wir shoppen mehr online statt lokal einzukaufen.

Immer mehr Aktivitäten verschieben sich ins Internet und es gibt bei fast allem kostenlose oder sehr günstige Angebote.

 

Aber macht das nicht auch unsere Preise kaputt? Gibt es noch ein gesundes wirtschaftliches Verhältnis zwischen dem Wert eines Produkts oder einer Dienstleistung und dem Preis? Kann es auf Dauer auch weiterhin kostenlose oder spottbillige Inhalte im Internet geben?

 

Kürzlich habe ich das Tool ResponseSource getestet.

  • Journalisten und Blogger können auf dieser Plattform eine Anfrage zu einem bestimmten Thema mit der passenden Kategorie stellen.
  • Die Anfrage wird an einen Pool von Kommunikationsverantwortlichen, den Antwortgebern, weitergeleitet.
  • Das Tool vermittelt den Kontakt und gibt Journalisten oder Bloggern die Möglichkeit, Pressemitteilungen, Statistiken, Bilder, Audio- und Videomaterial zu erhalten, oder einen Partner für ein Interview zu finden.
  • Die Kommunikationsverantwortlichen können ihre Sichtbarkeit im Internet optimieren, ihre Positionierung verbessern, Kontakte aufbauen und Trends verfolgen.
  • ResponseSource ist für Kommunikationsverantwortliche während der Einführungsphase kostenlos.

Ich war beeindruckt von den vielfältigen Antworten, die ich nach meiner Anfrage erhalten habe, und den Kontakten, die sich daraus ergeben haben (und das alles kostenlos).

 

Hier noch weitere Beispiele mit Plattformen:

Meiner Meinung nach wird der Trend dahin gehen, im Internet immer mehr Plattformen zu bieten, die bestimmte Serviceleistungen in der Einführungsphase kostenlos anbieten, und wenn es gut angenommen wird, zu kommerzialisieren. Die Vergütung der Leistung kann z. B. durch eine prozentuale Abgabe erfolgen. Dasselbe gilt auch für Apps, wo es kostenlose und kostenpflichtige gibt. Ein Beispiel ist die App Offtime mit der die Kommunikation gefiltert werden kann, um gezielt Auszeiten zu nehmen.

 

Fazit

Fest steht für mich, dass es langfristig nicht alles kostenlos oder günstig geben kann. Hier findet auch durch die Diskussion über Adblocker ein Umdenken statt. Eine gewisse Bereitschaft, für Inhalte zu zahlen, ist vorhanden. Die große Frage ist, wie das im Detail funktionieren soll.

  • Wer legt die Preise fest?
  • Wie können Inhalte bezahlt werden?
  • Wie kann der Nutzer entscheiden, ob es sich lohnt, für den Inhalt zu zahlen?

Ein kostenloses oder günstiges Angebot zum Kennenlernen eines Produkts oder einer Dienstleistung macht sicher Sinn, aber der Anbieter muss auch die Möglichkeit haben, mit seinem Angebot Geld zu verdienen, anstatt seine Kosten wenigstens teilweise durch die Schaltung von Anzeigen auf der Website zu decken.

 

Sind Sie bereit, im Internet für etwas zu zahlen?

 

Ergänzung am 30.05.16:

Die von Stefan erwähnte Blogparade von Robert Weller ist zwar aus 2014, aber thematisch immer noch aktuell. Hier ist die Auswertung Für Web-Content Geld bezahlen? Nur wenn die Qualität (und der Preis) stimmt!

Die Bereitschaft für Content zu bezahlen
Wer würde für Web-Content bezahlen?

Ergänzung am 02.06.15:

Da auf Google+ die Frage aufkam, ob sich seit der Blogparade von Robert Weller an der Bereitschaft, für Content im Web zu bezahlen, etwas geändert hat, habe ich 2 Umfragen gemacht:

  • Umfrage auf Google+: 10 Stimmen mit 40 % Ja und 60 % Nein
  • Umfrage auf Twitter: 13 Votes mit 23 % Ja und 77 % Nein

Zwar keine große Beteiligung, aber das Ergebnis ist eindeutig, nur ca. 30 % sind bereit, im Web für Content zu bezahlen.

Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hans (Montag, 30 Mai 2016 07:58)


    Hallo Claudia,
    wenn transparent und deutlich ist, wann welche Kosten entstehen, dann finde ich es natürlich auch völlig in Ordnung, dass Leistungen im Netz etwas kosten. Warum soll das anders sein, als im realen Leben.

    Nur, weil Menschen ihre Brötchen über virtuelle Dienstleistungen verdienen, ist das ja nicht schlecht. Dieses "es muss alles kostenlos sein-Denken" ist schon krass bei manchen Menschen.

    Wie du ja weißt, befasse ich mich seit Jahren mit der Thematik Foren. (Am Rande erwähnt, dass sie es in Zeiten von social media/Facebook schwer haben) Es gibt und gab zahlreiche Forenhosting-Anbieter, die Foren kostenlos anbieten, aber auch weiterführende Angebote haben (Werbefreiheit, mehr Features und und...) Irgendwie müssen sich diese Hoster finanzieren. Entweder über Werbeeinnahmen oder über Premium-Dienste. Und natürlich die Kombi aus Beiden. Von vielen kleinen Diensten mal abgesehen, habe ich schon die Schließung von 5-6 größeren erlebt. Das kann darin begründet liegen, dass Werbepartner insolvent gehen. Man bemängelt aber auch immer wieder den Einsatz von Werbeblockern.
    Was ich damit sagen will. Wenn man solche Angebote kostenlos nutzen möchte, dann sollte man auch mal darüber nachdenken, ob das fair und anständig ist, zu blocken.

    Zu viel und zu aggressive Werbung nervt mich auch. Dann treffe ich in der Konsequenz auch die Entscheidung diese Seite und den Dienst nicht zu nutzen. Immer alles kostenlos haben zu wollen, geht aber nicht und disqualifiziert die Arbeit von Internet-Dienstleistern.

    HG Hans

  • #2

    Claudia (Montag, 30 Mai 2016 13:14)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich sehe das genauso wie Du. Entweder kostenlos mit Werbung oder kostenpflichtig ohne Werbung. Dein Beispiel mit den Foren passt sehr gut zum Thema.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Benjamin Brückner (Montag, 30 Mai 2016 13:33)

    Hallo Claudia,

    danke für die Verlinkung meines Interviews mit dem Gründer der App "Offtime". Ich persönlich bin gern bereit dazu, Geld für wertige Inhalte im Netz zu bezahlen 'Wertig' ist hierbei das entscheidende Stichwort - wenn das E-Book nichts taugt, dann ärgere ich mich über einen womöglich unverhältnismäßig hohen Preis.

    Auch ich bin froh, dass das Bewusstsein für die Mühen und die Arbeit hinter Online-Produkten allmählich wächst.

    Viele Grüße
    Benjamin

  • #4

    Claudia (Montag, 30 Mai 2016 13:43)

    Hallo Benjamin,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist eine gute Entwicklung, wenn die Menschen bereit sind, für wertige Inhalte im Netz zu zahlen. Mich ärgert es auch, wenn ich Geld für etwas ausgebe, das nicht meinen Erwartungen entspricht.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Stefan Schütz (Montag, 30 Mai 2016 17:48)

    Hallo Claudia,

    ein schöner Beitrag zu einem immer wieder aufkeimenden Thema!
    Ich habe vor zwei Jahren (wie du auch, meine ich?!) an einer entsprechenden Blogparade teilgenommen - es hat sich (nicht) viel getan ;-)

    Darf ich? http://www.pr-stunt.de/wuerde-ich-fuer-web-content-zahlen/

    VG
    Stefan

  • #6

    Claudia (Montag, 30 Mai 2016 18:18)

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und den Link. Stimmt, das ist ein aktuelles Thema. An der Blogparade von Robert Weller "Würdest Du für Webinhalte Geld bezahlen?" hatte ich nicht teilgenommen. Das war Claudia Kauscheder.

    Viele Grüße
    Claudia