Claudias praktischer Ratgeber zu digitalen Assistenten

Digitale Assistenten

Wie werden wir durch digitale Assistenten beeinflusst?
Was uns der digitale Assistent alles abnimmt

Ein Gespräch mit Michael Kohlfürst, Gründer und CEO der Firma PromoMasters Online Marketing Ges.m.b.H. in Salzburg, hat mich auf die Idee gebracht, mich mit dem Thema digitale Assistenten zu beschäftigen. Herr Kohlfürst ist der Meinung, dass der Trend im Online-Marketing in Richtung digitale Assistenten gehen wird.

 

Ein persönlicher digitaler Assistent (PDA = Personal Digital Assistant) ist laut Wikipedia ein kompakter, tragbarer Computer, der besonders für die Kalender-, Adress- und Aufgabenverwaltung genutzt wird. Ein Smartphone mit Touchscreen und diversen Apps kann genauso als persönlicher digitaler Assistent dienen.

 

Schauen wir uns kurz an, wofür ein Smartphone benutzt wird:

  • Es ersetzt den Wecker und wir können einstellen, mit was für einem Klingelton wir geweckt werden wollen.
  • Wir schauen nach Datum und Uhrzeit auf dem Smartphone.
  • Das Smartphone kann zum Fotografieren genutzt werden.
  • Termine können mit Erinnerung gespeichert werden.
  • Unsere Kontakte werden ebenso gespeichert.
  • Es gibt nützliche Apps als Ersatz für den Taschenrechner, für die Navigation, um QR-Codes zu lesen, den GPS-Standort zu bestimmen oder auch Spiele zum Spaß. Besonders originell finde ich die App, mit der das Smartphone als Wasserwaage genutzt werden kann.

Aber die Möglichkeiten mit einem digitalen Assistenten, auch Sprachassistent oder künstliche Intelligenz genannt, gehen noch viel weiter. Er wird hauptsächlich für Terminverwaltung, Kontaktmanagement, Internetsuche und Navigation verwendet. Basis ist die Spracherkennung. Der digitale Assistent muss das, war wir ihm sagen, verstehen, die gewünschte Information suchen, finden und uns eine Antwort geben. Wer sich schon mal mit der Vielfalt der Sprachen beschäftigt hat, weiß, dass es technisch eine Herausforderung war und ist, einem Computer beizubringen, gesprochene Worte zu "verstehen". Außerdem ist ein großer Datenbestand bzw. Informationspool notwendig. Die digitalen Assistenten greifen auf Informationen aus firmeneigenen Datenbanken zu. Es werden z. B. Informationen von Googles Knowledge Graph, Wikipedia oder Yelp abgerufen.

 

Bei Verarbeitung der Fragen in der Cloud kann der Service mit entsprechender digitaler Ausrüstung auch auf der Smartwatch oder im Auto erbracht werden. 

 

Zu den bekanntesten digitalen Assistenten gehören:

Die Grundfunktionen sind die Terminierung von Meetings, Verabredungen, usw., Online-Einkäufe, Reservationen in Restaurants, Hotels, Kino, etc., Reiseplanungen und -buchungen.

 

Aber schauen wir uns an, wie ein Tag mit einem digitalen Assistenten aussehen könnte:

  • Der Wecker wurde auf 6.00 Uhr gestellt, aber weil unser Assistent weiß, dass es wegen eines Unfalls einen Stau gibt, weckt er uns schon um 5.30 Uhr.
  • Beim Frühstück macht der Assistent uns darauf aufmerksam, dass der Kaffee bald alle ist und neuer besorgt werden muss. Selbstverständlich werden wir auch gleich informiert, wo unsere Lieblingsmarke gerade im Angebot ist.
  • Im Auto werden wir daran erinnert, noch Blumen für die Kollegin zu besorgen, die heute Geburtstag hat.
  • Im Büro sagt uns unser Assistent, welche Besprechungen wir heute mit wem und wann haben, und schickt uns rechtzeitig los, damit wir pünktlich sind.
  • Da wir nächste Woche eine Geschäftsreise nach Berlin machen müssen, sucht unser Assistent die passenden Zugverbindungen für Hin- und Rückreise raus. Denn er weiß, dass wir nicht gerne Auto fahren.
  • Weil in Berlin eine ehemalige Kollegin von uns wohnt, schlägt unser Assistent einen Besuch bei ihr vor.
  • Statt wie gewohnt um 18.00 das Büro zu verlassen, schickt uns unser Assistent um 17.15 los, weil ein heftiges Gewitter angesagt ist.
  • Im Auto erinnert uns unser Assistent, dass wir noch einkaufen gehen müssen, u. a. Kaffee.
  • Zu Hause werden wir von unserem Assistenten aufgefordert, aufzuräumen und sauber zu machen, da in 2 Tagen unsere Mutter zu Besuch kommt und unser Assistent genau weiß, wie kritisch sie bei diesen beiden Punkten ist.
  • Danach zählt unser Assistent auf, was wir bis zur Geschäftsreise noch erledigen müssen und erinnert uns daran, der Nachbarin den Schlüssel zu geben für das Blumen gießen und Briefkasten leeren.
  • Da wir unseren Jahresurlaub noch nicht genommen haben und unser Assistent weiß, wohin wir gerne reisen würden, macht er uns diverse Vorschläge und weist uns auf die Einreisebedingungen, wie z. B. notwendige Impfungen, hin.
  • Abends schickt uns unser Assistent bereits um 22.30 statt 23.00 zu Bett, weil er uns früher geweckt hatte. 

In der Basis-Version macht uns der digitale Assistent nur Vorschläge, wir können/müssen selbst entscheiden, was wir tun möchten. In der Premium-Version, wenn der Assistent uns schon sehr gut kennt, entscheidet er, bucht und plant für uns.

 

Nicht erschrecken, das habe ich mir jetzt alles ausgedacht, aber teilweise ist es schon möglich und ich denke, die digitalen Assistenten werden weiter entwickelt und optimiert, so dass sie immer mehr in der Lage sein werden, für ihre Nutzer Entscheidungen zu treffen und Ratschläge zu geben.

 

Selbstverständlich wird auch Werbung bei den digitalen Assistenten ein großes Thema sein. In meinem Artikel Wie finanziert sich das Internet? habe ich bereits erörtert, dass es auf die Dauer nicht alles kostenlos im Internet geben kann und entweder durch Werbung finanziert oder kostenpflichtig angeboten werden muss. Wenn wir uns das obige Szenario noch einmal anschauen, wird klar, wo uns Werbung gezielt das liefern kann, was wir gerade benötigen. Letztendlich dreht sich alles darum, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit anzubieten:

  • Sonderangebote, wenn wir einkaufen gehen müssen.
  • Angebote für Bus, Bahn und Flüge, wenn wir von A nach B reisen wollen.
  • Vorschläge und Angebote für Geschenke zu Geburtstagen, Festen, Jubiläen und anderen Gelegenheiten.
  • Angebote von Dingen, die unseren Interessen entsprechen (Musik, Theater, Kino, Sport, Literatur, usw.).

Thomas Schuster hat es in seinem Artikel Zielgruppen und Targeting – das Netz kennt jeden! auf den Punkt gebracht. User hinterlassen immer Spuren, wodurch ein Benutzerprofil erstellt werden und die Werbung mit Targeting den Nutzer gezielt ansprechen kann. Wenn wir einen digitalen Assistenten ausgiebig nutzen, kennt uns dieser sehr genau, denn er sammelt und speichert Informationen über uns. Gedanken zu Privatsphäre, IT-Sicherheit und Datenschutz liegen da nahe. Letztendlich liegt es im Ermessen und der Verantwortung von jedem Einzelnen zu entscheiden, wie die technischen Möglichkeiten genutzt und welche Spuren dadurch hinterlassen werden.

 

Ich möchte noch kurz auf den Unterschied zwischen Chatbots und Künstlicher Intelligenz eingehen. Chatbots sind laut Wikipedia textbasierte Dialogsysteme und bestehen aus einer Textein- und -ausgabemaske für die Kommunikation. Sie arbeiten nach einfachen wenn-dann-Regeln und können nur die Fragen beantworten, die beim jeweiligen Chatbot programmiert wurden. Es gibt z. B. Bots für Unterhaltung, kommerzielle Zwecke, News oder Kundenservice. Der digitale Assistent hingegen lernt dazu je mehr wir ihn nutzen und interagiert entsprechend unseren Interessen mit uns. Interessant wird es, wenn die Chatbots und digitalen Assistenten sich irgendwann mal (wahrscheinlich in gar nicht so ferner Zukunft) miteinander unterhalten. Vielleicht wird dann auch über uns geklatscht?

 

Derzeit haben die digitalen Assistenten noch Probleme, Informationen aus einem Kontext zu ermitteln, zu entscheiden, was relevant ist und was nicht, oder Ironie oder Sarkasmus zu verstehen. Es kann falsche oder auch lustige Antworten geben. Irgendwann wird es auch dafür eine Lösung geben.

 

Der digitale Assistent ist zum jetzigen Zeitpunkt für viele faszinierend aber auch unheimlich, er muss erst das Vertrauen der Nutzer gewinnen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, da die Digitalisierung weiter fortschreiten wird. Vielleicht wird die Generation Alpha schon ohne Bedenken gewohnt sein, den privaten und beruflichen Alltag mit einem digitalem Assistenten zu planen.

 

Wahrscheinlich wird die Verwendung von Captchas irgendwann überflüssig, weil immer mehr digitale Assistenten statt einem Menschen im Internet kommentieren, kaufen, buchen, etc. Die Frage wird dann sein, wie man sich vor digitalen Assistenten, die spammen, schützen kann.

 

Ich stelle mir mittlerweile  die Frage, ob die Menschen nicht das Denken, Planen und Organisieren verlernen, wenn es immer mehr digitale Lösungen gibt.

 

Fazit

Die Spracherkennung wird immer weiter optimiert werden. Es wird für immer mehr Sprachen digitale Assistenten geben und technisch eine Lösung gefunden werden, wenn jemand eine Sprechstörung hat oder einen starken Dialekt spricht. Da die meisten Menschen, um Zeit zu sparen, lieber sprechen als tippen, wird die Sprachsuche in Zukunft immer mehr statt der Textsuche genutzt werden. Interessant wird sein, zu sehen, was für eine Auswirkung das auf die klassischen Suchmaschinen Google, Bing oder Yahoo haben wird.

 

Wenn man bedenkt, dass es alltäglich und selbstverständlich ist, in aller Öffentlichkeit zu telefonieren, so wird es wohl auch irgendwann selbstverständlich sein, sich in aller Öffentlichkeit mit seinem digitalen Assistenten zu unterhalten, um Termine abzustimmen. 

 

Ich bin gespannt, was uns die digitale Zukunft bringt, und bedanke mich bei Herrn Kohlfürst für die Inspiration, mich mit diesem spannenden Thema auseinanderzusetzen.

 

Wie sehen Sie die Zukunft von und mit digitalen Assistenten?

Kommentare: 7 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Peter Ehrlich (Montag, 13 Juni 2016 11:30)

    "Ich stelle mir mittlerweile die Frage, ob die Menschen nicht das Denken, Planen und Organisieren verlernen, wenn es immer mehr digitale Lösungen gibt."

    Hallo Claudia,

    da hast Du Dir wieder ein heißes Thema ausgesucht. Die Frage, die Du Dir stellst, ist heute schon beantwortet. Alles, was in Deinem Gehirn nicht ständig wieder aufgefrischt wird, verlernst Du wieder. Der nächsten Generation werden diese Informationen nicht mit ins Leben gegeben. Die Folgegeneration wird die Begriffe nicht mehr kennen.

    was mich interessiert ist: Wenn wieder einmal ein Carrington-Ereignis (Sonneneruption) eintritt, wie können wir ohne eine digitale Welt bzw. ohne Strom überleben? Die Frage, ob solch ein Ereignis wieder eintreten wird, steht hier nicht; es steht nur die Frage wann.

    Genauso ein Ereignis oder ähnliche Szenarien sagen mir, dass ich einen digitalen Assistenten sinnvoll anwenden muss. Er darf unsere Überlebensstrategie nicht nachhaltig stören. Die Menschen, die auf dem Land leben, haben die besten Chancen mit einer geeigneten Infrastruktur zu überleben.

    In jedem Fall regt Dein Artikel dazu an, darüber nachzudenken, wo ein digitaler Assistent sinnvoll eingesetzt werden kann.

    Viele Grüße
    Peter

  • #2

    Claudia (Montag, 13 Juni 2016 13:22)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Die Bemerkung von Dir "dass ich einen digitalen Assistenten sinnvoll anwenden muss" bringt es auf den Punkt. Jeder muss für sich überlegen und entscheiden, wie er die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, sinnvoll und zu seinem Vorteil nutzt.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Ralph (Mittwoch, 29 Juni 2016 22:58)

    Hallo Claudia,

    diese Frage von Dir finde ich großartig: "Ich stelle mir mittlerweile die Frage, ob die Menschen nicht das Denken, Planen und Organisieren verlernen, wenn es immer mehr digitale Lösungen gibt.".

    Persönlich denke ich, dass wir genau in diese Richtung gehen. In diesem Trend leben wir bereits.

    Dein fiktiver Tagesablauf mit einem "digitalen Assistenten" halte ich in naher Zukunft realistisch, denn adaptive Systeme sind auf dem Vormarsch. Je mehr die "digitalen Assistenten" im Alltag Anwendung finden, desto mehr Daten liegen zu ihrer Feinjustierung vor und im Laufe der Zeit werden die "Reaktionen" genauer. Mir stellt sich die Frage, wie viele Menschen "digitale Assistenten" heute im Alltag nutzen.

    Beste Grüße

    Ralph Scholze

  • #4

    Claudia (Donnerstag, 30 Juni 2016 06:20)

    Hallo Ralph,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich stimme Dir zu, dass wir bereits in diese Richtung gehen und diesen Trend leben. Je mehr die digitalen Assistenten genutzt werden, desto besser werden sie auch, weil dadurch mehr Daten zur Verfügung stehen und sie dazulernen. Ich persönlich kenne niemanden, der einen hat, aber viele mit Smartphone und diversen Apps. Wer kennt heute noch eine Telefonnummer auswendig? Es ist doch alles gespeichert. Das ist ein simples Beispiel, wie wir uns auf die Technik verlassen. Und wie Peter kommentiert hat, man muss sich über eine sinnvolle Nutzung Gedanken machen.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Ralph (Donnerstag, 30 Juni 2016 16:23)

    Hi Claudia,

    Dein Beispiel mit der Telefonnummer ist in der Tat aus dem Leben gegriffen. Darüber müsste eine Umfrage durchgeführt werden ;)

    Beste Grüße

    Ralph

  • #6

    Michael Kohlfürst (Sonntag, 25 September 2016 11:11)

    Digitale Assistenten sollen uns da unterstützen wo wir uns das wünschen. Beispiel: auf deinem Arbeitsweg sind verschieden bauistellen - dein Smartphone sagt dir, wann du heute voraussichtlich losfahren sollst. Somit entfällt das andauernde verfolgen von Verkehrsnachrichten was am Morgen auch entspannen kann. Verblöden wird nur, wer sich verblöden lässt. Was sgaten unsere eltern: du wirst dir doch eine Telefonnummer merken! Wozu?

  • #7

    Claudia Dieterle (Sonntag, 25 September 2016 11:41)

    Guten Tag Herr Kohlfürst,

    vielen Dank nochmal für die Inspiration zum Artikel und den Kommentar. Stimmt, digitale Assistenten besitzen Vorteile, die man nutzen kann. Es liegt an jedem selbst, in wie weit er zulässt, sich komplett auf die Technik zu verlassen, um dann aufgeschmissen zu sein, wenn sie mal nicht funktioniert.

    Freundliche Grüße
    Claudia Dieterle