Claudias praktischer Ratgeber zu Konflikten

Konflikte und Mediation

Wie Konflikte entstehen und gelöst werden können
Konflikte lösen oder davonlaufen/davonfliegen

Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht irgendwann beruflich oder privat einen Konflikt hatte oder hat. Das können Uneinigkeiten mit dem Partner, Freunden, Bekannten, Kollegen, Nachbarn oder Vorgesetzten sein. Manchmal findet man selbst eine Lösung, manchmal muss man sich helfen lassen. Durch die Blogparade "Konflikte als Chance" habe ich Christina Wenz kennengelernt. Sie ist Volljuristin und Mediatorin und hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zum Thema Konflikte zu beantworten.

 

Du hast in der Schule schon gerne Streits geschlichtet. Was war als Kind Dein Berufswunsch?

Ich habe vor einiger Zeit einen Aufsatz aus der Grundschule gefunden. Damals war mein Berufswunsch Pferdezüchterin, da ist mein Berufsweg doch in eine andere Richtung gelaufen ;-). Meine Begeisterung für Tiere ist aber über die Jahre hinweg geblieben. Daher ist auch - neben Mediation und Konfliktcoaching bei Streit in der Familie und am Arbeitsplatz - eines meiner Spezialgebiete die Mediation bei Streit rund ums Tier. 

 

Kannst Du etwas erzählen über Deine Arbeit als Geschäftsführerin Finanzen an der Universität Mainz, Leiterin der Rechtsabteilung und Datenschutzbeauftragte an der Universität Speyer und juristische Mitarbeiterin in einem Notariat?

Alle drei Tätigkeiten waren sehr unterschiedlich und alle haben mir Spaß gemacht! Vor allem die Arbeit im Notariat gefiel mir gut, weil ich dort - wie auch heute als Mediatorin - eine neutrale Beraterin war, die sich nicht auf die Seite einer Partei geschlagen hat. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich die Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit als Selbständige doch sehr genieße und auch die Tätigkeit als Mediatorin nicht mehr missen möchte. 

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, eine Weiterbildung zur Mediatorin zu machen?

Das war irgendwie eine Entwicklung, die sich über Jahre hinzog. Zwischenmenschliche und psychologische Themen haben mich schon immer sehr interessiert. Wenn ich etwas über Mediation hörte, hat mich das immer sehr gefesselt. In meiner Zeit als Angestellte war ich häufig mit Konflikten Dritter konfrontiert und fand es frustrierend, keine Methoden an der Hand zu haben, wirklich gut helfen zu können. Als ich dann an der Uni Mainz am Entwicklungsprogramm für Führungskräfte teilnehmen durfte und dort auch Seminare im Konfliktmanagement besuchte, wurde mein Wunsch, das Thema zu vertiefen, immer größer. Ja und schon nach dem ersten Mediationsseminar war ich völlig entflammt für die Methode und wusste ganz schnell, dass es das ist, was ich künftig machen möchte.  

 

Was ist Deine Definition für einen Konflikt?

Ich muss sagen, mit solchen Definitionen tue ich mir immer schwer ;-). Wenn man den Begriff googelt, kommen ja sehr viele unterschiedliche Definitionen, eine ganz persönliche habe ich eigentlich nicht. Ich finde immer, dass solche abstrakten Definitionen nicht weiterhelfen. Wichtiger finde ich das individuelle Gefühl des Einzelnen, also z. B. die Frage, ab wann empfinde ich eine Situation bzw. einen Streit als belastend? Oder auch die Frage, was kann ich tun, um mich aus der Situation zu befreien – Was man tun kann, um wieder entspannt zu sein, wieder miteinander gut umgehen zu können, nachts wieder schlafen zu können usw. Das ist mein Ziel - Ich möchte den Menschen helfen, sich selbst aus belastenden Streitsituationen zu befreien und so wieder zu mehr Wohlbefinden zu gelangen. 

 

Wie kann man einen Konflikt rechtzeitig erkennen und gegensteuern?

Das ist oft gar nicht so einfach: Manchmal geht es ganz schnell: Eben war noch alles gut und ehe man sich versieht, ist der Streit da, manchmal entwickelt sich ein Konflikt aber auch ganz langsam. Ich denke, einen Konflikt zu erkennen, ist nicht schwer, das Problem ist eher das Gegensteuern. Helfen kann hier z. B., dass man sich frühzeitig wirklich mal Zeit nimmt, miteinander zu sprechen und dem anderen auch wirklich zuzuhören. Signalisieren Sie dem Anderen Ihre Aufmerksamkeit am besten z. B. durch Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung und auch interessiertes Nachfragen. Hilfreich sind hierbei Fragen wie etwa „Warum genau ist Dir das denn so wichtig, warum hängt Dein Herz so sehr daran?“. So lässt sich erfahren, was wirklich hinter der festgefahrenen Position des anderen steckt. Wichtig ist andererseits auch, dem Anderen zu erklären, warum mir meine Sicht der Dinge so am Herzen liegt. Oft lassen sich schnell gute Lösungen finden, wenn ich weiß, warum dem Anderen sein Standpunkt so wichtig ist.

 

Kannst Du beschreiben, was eine Mediation ist und wie sie abläuft?

Eine Mediation ist ein Verfahren, bei dem der Mediator den Beteiligten hilft, für einen Streit eine gute und friedliche Lösung zu finden. Der Mediator unterstützt die Streitenden, herauszufinden, was ihnen in Bezug auf das strittige Thema wichtig ist, also welche Aspekte eine Lösung erfüllen muss, damit die Beteiligten gut damit leben können. Im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren entscheidet kein Dritter den Streit, sondern der Mediator hilft Schritt für Schritt dabei, eine individuelle Lösung zu finden, die optimal zur Situation und den Beteiligten passt. 

 

Was ist die Elder Mediation?

Die Elder Mediation hilft dabei, Konflikte zu lösen, die mit dem Älterwerden zusammenhängen. Beispiele hierfür sind der Streit rund ums Erbe oder auch Konflikte zwischen Ehepartnern, die in der neuen Lebenssituation nach der Pensionierung entstehen können. Es kommen mittlerweile z. B. auch viele (erwachsene) Kinder zu mir in die Praxis, die über die Pflege der Eltern miteinander in Streit geraten sind. Ich merke hier einen richtigen Trend.  

 

Mediation wird von vielen belächelt, wie gehst Du damit um?

Hm, ich persönlich empfinde es gar nicht so, dass Mediation belächelt wird. Wenn ich den Leuten erzähle, was ich beruflich mache, finden viele das Thema sehr spannend und sagen: „Oh, das ist aber eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe!“. Das Problem, mit dem wir Mediatoren kämpfen, ist eher, dass viele Menschen sich nicht wirklich etwas unter dem Begriff „Mediation“ vorstellen können und dass noch nicht Jedermann die Mediation als gute Alternative zu Gerichtsverfahren im Bewusstsein hat.

 

Ist es von Vorteil oder Nachteil Juristin und Mediatorin zu sein?

Also ich persönlich empfinde es als sehr großen Vorteil, da es ja auch meistens um juristisch strittige Themen geht. Als Jurist weiß man dann einfach, welche Fallstricke es zu beachten gibt, wo z. B. die notarielle Beurkundung des Vertrages erforderlich ist, auf welche Rechte man von Gesetzes wegen nicht verzichten darf usw. Ich finde, juristische Kenntnisse geben in diesem Zusammenhang sehr große Sicherheit. Aber natürlich kann auch ein Psychologe oder jemand aus einer anderen Berufsgruppe ein sehr guter Mediator sein! Oft ergänzen sich Mediatoren aus verschiedenen Berufsgruppen auch sehr gut!

 

Welche Vorteile bietet eine Mediation gegenüber einem Streit vor Gericht?

Viele Mediatoren stellen gerne die Vorteile von Mediation gegenüber Gerichtsverfahren dar: Hier kann man z. B. nennen, dass Gerichtsverfahren meistens viel länger und teurer als Mediationsverfahren sind. Ich finde jedoch, dass beide Verfahren ihre Berechtigung haben und beide sinnvoll sein können – Es kommt immer auf die individuelle Situation an! Man sollte sich immer nach den eigenen Beweggründen fragen: Will ich, dass jemand für mich entscheidet (Richter), glaube ich, im Recht zu sein und will ich das unbedingt durchsetzen, egal wie das Verhältnis zum Anderen anschließend ausschaut, so sollte ich vor Gericht ziehen! Möchte ich das Verhältnis zum Anderen retten oder erhalten und möchte ich lieber selbst mit dem Gegenüber eine Lösung suchen, die optimal zu der Situation passt, so ist ein Mediationsverfahren der richtige Weg! 

 

Was kann man tun, wenn die „andere Seite“ nicht zu einem Gespräch bereit ist, um einen Konflikt zu lösen?

Ich erlebe das sehr oft: Jemand ruft bei mir an, da ihn ein Konflikt sehr belastet. Ich frage dann immer, ob das Gegenüber denn wohl mit zu einer Mediationssitzung kommen würde. Leider ist dies oft nicht der Fall, sodass ein Mediationsverfahren nicht in Frage kommt. Es gibt dann aber noch die Möglichkeit eines Konfliktcoachings. Hier schaue ich dann mit dem Einzelnen, was man tun kann, um die Situation zu verbessern. Ein Konfliktcoaching kann auch sehr gut telefonisch durchgeführt werden.

 

Die Grundvoraussetzung zur Lösung eines Konflikts ist das Zuhören, welche Tipps hast Du dazu?

Ein Tipp hierzu wäre z. B., dem Anderen die volle Aufmerksamkeit zu schenken - also Handy, TV usw. ausschalten - und durch zugewandte Körperhaltung, Blickkontakt und Nachfragen auch zu zeigen, dass ich den Worten wirklich folge. Das hört sich jetzt so selbstverständlich an, aber oft genug hören wir ja doch nur mit halbem Ohr zu.  

 

Viele wünschen sich, negative Gefühle wie Wut, Verletztheit oder Zorn unterdrücken zu können. Wie wichtig ist es, diese Gefühle zuzulassen?

Oft wollen wir die „negativen“ Gefühle nicht fühlen und uns am liebsten von ihnen befreien. 

Ich halte allerdings nicht viel davon, die Gefühle zu unterdrücken. Ich sehe sie vielmehr als hilfreiche Wegweiser, auf die wir schauen und oft auch hören sollten. Wenn wir die Gefühle unterdrücken, werden wir nur irgendwann noch heftiger damit konfrontiert.

 

Was ist der beste Weg für eine friedliche Scheidung? Wann empfiehlst Du eine Mediation? Vorab oder begleitend? Oder liegt Dir die Mediation so im Blut, dass Du in einer Scheidungssache sowieso vermittelst, um zu einer friedlichen Einigung zu kommen?

Ich empfehle im Rahmen einer Scheidung immer dann eine Mediation, wenn man bereit ist, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und eine friedliche Einigung zu finden. Insbesondere wenn Kinder mit betroffen sind, würde ich immer empfehlen, eine Mediation in Betracht zu ziehen. Eine Mediation ist auf jeden Fall vorab, also vor dem Gang zum Anwalt, sinnvoll. Wenn die wichtigsten Punkte in einer verbindlichen Mediationsvereinbarung geregelt sind, ist die Scheidung an sich dann nur noch eine reine Formsache.

 

Was sagst Du als Mediatorin zu den Feindseligkeiten im anonymen Internet?

Ich muss sagen, dass ich über solche Hasstiraden im Internet immer sehr erstaunt bin. Wie kommt es dazu, dass man auf einen Menschen, den man gar nicht kennt, einen solchen Hass aufbaut? Ich finde, man darf nie vergessen, dass hinter dem Account einer Privatperson, eines Promis oder eines Politikers, über den man sich äußert, ein Mensch steckt, der in jedem Fall einen respektvollen Umgang verdient hat. 

 

Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Ich möchte mich von Herzen bei Dir für das Interview bedanken. Es hat mir viel Spaß gemacht! Ich freue mich immer über Gelegenheiten, meinen Beruf den Menschen näher bringen zu können!

 

Vielen Dank Christina für Deine Antworten.

 

Ich denke, dass mit mehr Dankbarkeit für das, was wir haben, einige Konflikte ihre Bedeutung verlieren würden. Es lohnt sich auf alle Fälle, sich Gedanken darüber zu machen, wie Konflikte entstehen, welche schon bestehen und was wir tun können, um sie zu lösen.

 

Abschließend noch ein Zitat von Joachim Panten, das mir zum Thema Konflikte sehr gut gefällt "Ein Weg, einen Konflikt zu lösen, ist, ihn zusammen zu überwinden. Dann kann man ihn immer noch aus dem Weg räumen." 

 

Wie lösen Sie Konflikte?

Mediatorin Christina Wenz
Christina Wenz

Links ein Bild meiner sympathischen Interviewpartnerin und nachfolgend Links, wie sie zu finden ist:

Kommentare: 5 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Peter Ehrlich (Mittwoch, 29 Juni 2016 08:23)

    Hallo Claudia,

    wie immer hast Du wieder ein hochinteressantes Thema angepackt. Hochachtung gegenüber Frau Christina Wenz, die Zwistigkeiten zu einer einvernehmlichen Lösung führt. Es ist nicht leicht, emotional geladenen Streitparteien auf einen sachlichen Zusammenhang zurückzuführen. Schließlich gehören zur sachlichen Lösung, Einsicht und Kompromissbereitschaft dazu. Das passt so gar nicht zum Ego, ständig Gewinner zu sein. Im Endeffekt muss man noch darauf achten, dass beide Parteien als Sieger hervorgehen.
    Vielen Dank für das schöne Interview.

    Viele Grüße
    Peter

  • #2

    Claudia (Mittwoch, 29 Juni 2016 18:04)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde Mediation ein sehr spannendes Thema und habe mich gefreut, dass Christina zu einem Interview bereit war. Das größte Problem sehe ich auch darin, Probleme nicht nur emotional sondern auch sachlich zu analysieren und zu lösen. Ein wichtiger Punkt von Dir, dass Menschen Gewinner oder Sieger sein wollen. Ich finde, darum geht es genauso wenig wie um die Schuldfrage, wenn ein Konflikt besteht. So wie Du schreibst braucht es Einsicht und Kompromissbereitschaft, aber auch die Fähigkeit, sich in die andere Seite hinein zu versetzen, um einen Konflikt zu lösen.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #3

    Hans (Freitag, 01 Juli 2016 16:17)


    Hallo Claudia,

    ein schönes Interview, in dem Christina Wenz viel interessantes auf gute Fragen antwortet.
    Ich finde Konflikte, beziehungsweise deren Lösung und Mediation auch ein "spannendes" Thema. Ich hab mich da ja mal über 1 Jahr ausbilden lassen. Eigentlich nur für mich und weil es interessant ist. Fast könnte man meinen, dass kein Fall dem anderen gleicht. Ist gar nicht so einfach, einen Konflikt so zu begleiten, dass am Ende beide Parteien mit gutem Gefühl raus gehen und sich keiner als Verlierer sieht.

    Was ich für mich selber mitnehmen konnte? Wie man streiten kann, ohne zu verletzen. Es muss für beide Seiten gute Kompromisse geben. Ein fauler Kompromiss ist ein Schwelbrand.
    Man sollte nicht jedem Konflikt aus dem Wege gehen, sondern auch für seine Interessen einstehen. Das aber auf sachliche Weise. Daher ist es auch gut, dass es Menschen wie Christina Wenz gibt, die da helfen, wo eine Konfliktlösung aussichtslos scheint.
    HG Hans

  • #4

    Claudia (Freitag, 01 Juli 2016 16:43)

    Hallo Hans,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Interessant, dass Du auch eine Ausbildung zur Mediation gemacht hast. Das wäre schön, wenn es immer möglich wäre, zu streiten ohne zu verletzen, aber da stehen bei vielen Menschen die Emotionen im Weg. Optimal ist, wenn es eine Lösung gibt, mit der beide Seiten zufrieden sind. Da stimme ich Dir zu, es nicht nicht gut, Konflikten aus dem Weg zu gehen, man muss auch seine Interessen vertreten.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Christina Wenz (Samstag, 02 Juli 2016 10:18)

    Lieber Hans, lieber Peter, herzlichen Dank für die tollen und wertschätzenden Kommentare. Ich freue mich immer riesig, wenn sich jemand für das Thema Mediation interessiert! :-) Ganz herzlichen Dank auch nochmal an Dich, liebe Claudia! Viele Grüße, Christina