Claudias praktischer Ratgeber zu Konflikten

Konflikte meistern

Meine Tipps für das Meistern von Konflikten
Wie kann man Konflikte meistern?

Christina Wenz  hat zu einer Blogparade Wie werde ich zum Konfliktmeister? eingeladen. Ein spannendes Thema, da jeder Mensch Konflikte hat oder hatte und es viele Menschen gibt, die beruflich z. B. als Mediator, Psychologe, Therapeut oder Coach versuchen, bei der Lösung von Konflikten zu helfen. Und nach der Blogparade Konflikte als Chance von Christina Wenz und dem Interview Konflikte und Mediation, das wir zusammen gemacht haben, setze ich mich gerne ein weiteres Mal mit dem Thema Konflikte auseinander.

 

Nachfolgend die Punkte, die ich zum Meistern oder Lösen von Konflikten wichtig finde:

 

Aufmerksamkeit

Das größte Geschenk, das man seinen Mitmenschen machen kann, ist Aufmerksamkeit, sich voll auf sein Gegenüber zu konzentrieren und auf ihn/sie einzugehen. Leider mangelt es heute oft an Aufmerksamkeit. Die Menschen laufen oder fahren von einem Ort zum anderen, unterhalten sich und schauen dabei auf ihr Smartphone. Wenn ich nicht erkenne, dass ein Konflikt besteht, weil ich unaufmerksam, mit den Gedanken woanders bin, kann ich auch nicht versuchen, ihn zu lösen. 

 

Zuhören

Wenn wir jemandem unsere volle Aufmerksamkeit schenken, hören wir auch richtig zu. Dieses Zitat "Unser größtes Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen, sondern um zu antworten." aus dem Artikel 7 Tipps, wie gutes Zuhören besser gelingt von Christina Wenz trifft es auf den Punkt. Wir müssen erst richtig zuhören, dann können wir verstehen und auch richtig antworten.

 

Einfühlungsvermögen

Bei jedem Konflikt gibt es 2 Seiten und unterschiedliche Emotionen. Was wir sagen und meinen und wie es ankommt, ist oft unterschiedlich. Jeder hat Erfahrungen gemacht, die in bestimmten Situationen negative Assoziationen hervorrufen, die das Gegenüber nicht nachvollziehen kann. Deshalb ist es wichtig, zu versuchen, sich in den anderen hinein zu versetzen. Ein indianisches Sprichwort sagt "Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gelaufen bin."

 

Empathie

Empathie ist laut Wikipedia die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Wenn wir aufmerksam sind und zuhören, können wir anhand von Mimik, Gestik, Körpersprache und sonstigen Reaktionen und Äußerungen erkennen, wenn wir jemandem zu nahe getreten sind, ihn verletzt oder beleidigt haben. In den sozialen Netzwerken fällt der "optische Teil" weg und wir müssen aufmerksam lesen, auch zwischen den Zeilen, da es auch schriftlich Möglichkeiten gibt, Emotionen auszudrücken (z. B. mit Emojis).

 

Geduld

Leider lässt sich ein Konflikt nicht immer lösen, nur weil man ihn erkannt und offen zur Sprache gebracht hat. Oft erfordert es sehr viel Geduld, mehrere Gespräche und Kompromissbereitschaft, bis ein Konflikt gelöst werden kann. Manchmal kann er auch gar nicht gelöst werden, wenn nur eine Seite an einer Lösung interessiert ist.

 

Ehrlichkeit

Ein Konflikt kann nicht gelöst werden, wenn wir nicht ehrlich zu uns selbst und unserem Gegenüber sind. Beschönigen, leugnen, lügen, usw. helfen nicht weiter bei der Lösung. Der Konflikt ist nur kurzfristig und scheinbar gelöst, tritt aber beim nächsten Vorfall wieder auf. Laotse hat es treffend formuliert "Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr."

 

Lächeln

Damit meine ich natürlich nicht, dass man sein Gegenüber auslacht oder sich lustig macht über ihn. Aber eine positive Grundeinstellung, den Konflikt lösen zu wollen und zu können, und ein Signal, dass man es gut meint mit dem anderen, kann die Situation schon entspannen. Dazu ein passendes Zitat von Werner Fink, Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller: "Lächeln ist die eleganteste Art, seinem Gegner die Zähne zu zeigen." Bitte nicht wörtlich nehmen.

 

Komfortzone

Manchmal muss man zur Lösung eines Konflikts auch seine Komfortzone verlassen. Denn ein Konfliktgespräch ist meist kein netter Kaffeeplausch, sondern kann auch ungemütlich werden, da man offen und ehrlich darüber sprechen sollte, was einen geärgert, verletzt, etc. hat. Ben Paul beschreibt in Wie dich deine Komfortzone ständig austrickst (und 7 einfache Methoden, die dir helfen) amüsant, wie man seine Komfortzone verlassen kann.

 

Schuldzuweisungen

Das Schlimmste, was man bei einem Konfliktgespräch tun kann, sind Schuldzuweisungen und Vorwürfe. Es bringt überhaupt nichts, die Schuldfrage klären zu wollen. Ganz im Gegenteil. Manche Menschen geben dem Gegenüber die komplette Schuld und machen sich deshalb überhaupt keine Gedanken, welchen Anteil sie selbst zur Entstehung des Konflikts hatten. So kann natürlich kein Konflikt gelöst werden, weil die andere Seite praktisch gegen eine Wand läuft.

 

Angst

Konflikte bzw. deren Lösung haben auch viel mit Angst zu tun. Die Angst, etwas oder jemanden zu verlieren, vor Änderungen, etwas zuzugeben. Angst kann deshalb auch lähmen, sich mit einem Konflikt auseinander zu setzen. Aber genau diese Überwindung ist notwendig, um einen Konflikt zu lösen. Zum Thema Angst und wie sie lähmen kann gefällt mir der Artikel Angst lähmt: Pro Infirmis macht mit kleinstem Budget das Unfassbare sichtbar sehr gut.

 

Resilienz

Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit ist laut Wikipedia die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Ein sehr wichtiger Punkt auch beim Meistern eines Konflikts, vor allem, wenn er nicht gelöst werden konnte, daraus zu lernen, sicher weiter zu entwickeln und nicht unterkriegen zu lassen.

 

Hilfe annehmen

Es gibt immer wieder Konflikte, die trotz aller Bemühungen nicht gelöst werden können. Da sollte man sich nicht scheuen, Hilfe von dritter Seite in Anspruch zu nehmen. Das kann jemand aus dem engeren Umfeld, ein Freund oder Bekannter sein, aber auch professionelle Hilfe wie z. B. ein Mediator.

 

Tabus

Bei Konflikten sollte es keine Tabuthemen geben. Wenn klar ist, dass die Ursache des Konflikts ein Thema ist, über das normalerweise nicht oder nur ungern gesprochen wird, sollte trotzdem darüber gesprochen werden, sonst ist eine Lösung unmöglich.

 

Burnout

Ein ganz spezieller Konflikt ist der Burnout. Fabienne Riener beschreibt im Blog Edition F in Ein Burnout beginnt anders, als die meisten denken sehr anschaulich die einzelnen Phasen eines Burnouts durch eine neue Situation:

  • Vorfreude (Energie, Hoffnung und Tatendrang).
  • Frühling (am Anfang ist alles in Ordnung, aber der Energieverbrauch wird unterschätzt).
  • Realitätscheck (nach dem ersten Low wird das High nicht mehr erreicht, Beginn des Konflikts zwischen eigenen Bedürfnissen und solchen von außen).
  • Verleugnung (kein Handeln bei aufkommendem Stress und Verbrauch der Energiereserven).
  • Rückzug (Fokus auf das Negative und Gleichgültigkeit).
  • Zusammenbruch (Höhepunkt der Sinn- und Identitätskrise).

Nur besteht der Konflikt hier in erster Linie mit sich selbst, muss aber erst gar nicht entstehen, wenn man auch sich selbst gegenüber aufmerksam ist, auf die Signale seines Körpers hört und entsprechend handelt.

 

Fazit

Es gibt viele Punkte, die für das Meistern eines Konflikts wichtig sind. Aber es gibt keine Garantie, dass ein Konflikt gelöst werden kann, wenn nicht alle Beteiligten das wirklich wollen. Der  US-amerikanische Schriftsteller Eldridge Cleaver bringt es auf den Punkt "Wenn Du nicht ein Teil der Lösung bist, dann bist Du ein Teil des Problems." Und mit dem Zitat von Siddhartha Gautama „Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.“ möchte ich abschließen.

 

Und wie meistern Sie Konflikte?

Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Christina Wenz (Montag, 19 September 2016 08:45)

    Liebe Claudia, ich freue mich riesig, dass Du bei meiner zweiten Blogparade wieder dabei bist! Erneut ist Dir ein ganz toller und wertvoller Beitrag gelungen, herzlichen Dank dafür! Besonders haben mich die Punkte "Geduld" und "Angst" angesprochen, aber auch die anderen Tipps sind super und auch bei den Lesetipps werde ich auf jeden Fall nachlesen! Liebe Grüße, Christina

  • #2

    Peter Ehrlich (Montag, 19 September 2016 10:40)

    Hallo Claudia,

    da hast Du wieder einmal ein schweres Thema beleuchtet. Überall im täglichen Leben finden wir Konflikte, die eigentlich einer Lösung bedürfen. Oftmals scheitert es schon am Willen, diese überhaupt lösen zu wollen. In Deinem Beitrag hast Du gut beschrieben, was alles beachtet werden muss. Wer häufig Konflikte lösen kann, hat meines Erachtens ein paar seltene Gaben.

    Viele Grüße
    Peter

  • #3

    Claudia (Montag, 19 September 2016 14:09)

    Liebe Christina,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und die Inspiration, nochmal über dieses Thema zu schreiben. Bei den Lesetipps hat es mich besonders gefreut, Artikel gefunden zu haben, die die einzelnen Punkte unterstreichen und ergänzen.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Claudia (Montag, 19 September 2016 14:12)

    Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist leider richtig, dass es überall Konflikte gibt, die gelöst werden sollten und könnten. Nur leider nützt alles nichts, wenn beide Seiten oder nur eine Seite nicht den Willen haben, den Konflikt zu lösen.

    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Melanie Bornschein (Dienstag, 27 September 2016 14:51)

    Liebe Claudia,

    wie recht du doch hast. Ich kann noch so ein großer Meister in Konflikten sein, wenn der andere nicht will oder kann, dann kann ich mir nur eine andere Lösung suchen.

    Liebe Grüße

    Melanie

  • #6

    Claudia (Dienstag, 27 September 2016 15:06)

    Liebe Melanie,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, das ist der Punkt, der bei Konflikten am meisten frustriert. Eine Lösung ist nicht möglich, wenn die andere Seite nicht will, dann kann man nur für sich selbst nach einer Lösung suchen, wie man damit umgeht.

    Viele Grüße
    Claudia